Handwerkskunst im Zeichen des Kreuzes

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Die Mettlacher Staurothek datiert auf das Jahr 1230.

Das umstrittene Gerichtsurteil gegen das Aufhängen von Kreuzen in Italiens Schulen hat deutlich gemacht: Das Kreuz Christi, seit alters her wichtigstes Symbol des Christentums, ist im multikulturellen Europa nicht mehr von allen anerkannt. Das Heils- und Siegeszeichen verliert an Integrationskraft. Von Reinhold Gries

Das Dommuseum Frankfurt bezieht in der Ausstellung „Im Zeichen des Kreuzes“ eigene Position aus religionshistorischer wie künstlerischer Sicht.

Im Zentrum der Prachtschau steht zunächst der Kult ums „Heilige Kreuz“, zu dessen Illustrierung man fast alle Glanzstücke des Bistums Limburg inklusive Frankfurts zusammengetragen hat. Es fehlt allerdings das Original der im Limburger Domschatz aufbewahrten Staurothek des 10. Jahrhunderts, eines bis 1204 in Konstantinopel aufbewahrten byzantinischen Reliquiars mit historischen Kreuzpartikeln. Nach dem vierten Kreuzzug gelangte es über Trier und Kloster Stuben an der Mosel zur Burg Ehrenbreitstein, 1909 als Stiftung nach Limburg, wo es ab 1959 Mittelpunkt des „Kreuzfestes“ wurde.

Dafür sind nach ihrem Vorbild geformte kostbare Nachfolger an den Main gekommen, allen voran das Triptychon der Mettlacher Staurothek aus Trier von 1230, silbervergoldet, mit Grubenschmelz, Edelsteinen und Perlen versehen. Um ein Doppelkreuz sind Kirchenpatronen und Standfiguren von Heiligen gruppiert, darüber entdeckt man Allegorien für Sonne und Mond.

Prachtvoll verziert: Kreuzreliquiar aus St. Lubentius in Dietkirchen.

Ähnlich kostbar ist auch das für den Frankfurter Stadtschultheißen Siegfried zum Paradies gefertigte Perlenkreuz, wohl um 1320 in Wien entstanden. Um den Glanz des Mittelalters sind aufwendige Kreuzreliquiare in aufwändiger barocker Ausführung gestellt: die des Frankfurter Doms wie die der benachbarten Leonhardskirche, dazu Reliquiare des Deutschordens und der Lubentiuskirche in Dietkirchen (Lahn). Aus edelstem Material sind kostbare Exponate aus Hallgarten und Aßmannshausen, aus dem Hildegardskloster Eibingen und aus Braunfels. Für modernere Versionen stehen das Frankfurter Bartholomäusreliquiar von 1929 und das Treskow-Kreuz aus den 50er Jahren.

Merkwürdig ist diese Pracht schon, war – und ist – das Kreuz doch auch Symbol einer menschlichen Katastrophe, das mörderische „Kreuziget ihn!“. Die Quellen und Dokumente der Ausstellung erzählen davon weniger, mehr jedoch vom Ostergeschehen, welches das Folter- und Tötungsinstrument in ein Erlösungs- und Siegeszeichen umwandelte.

„Im Zeichen des Kreuzes“ bis 31. Januar im Dommuseum Frankfurt. Geöffnet: Dienstag bis Freitag von 10 bis 17 Uhr, Samstag, Sonntag und an Feiertagen von 11 bis 17 Uhr

Der historische Abriss zur Kreuzesverehrung beginnt bei der Auffindung des Kreuzes durch Kaiserin Helena im Jahre 320 n.Chr. in Jerusalem. Danach wird das religiöse Symbol in Byzanz, Jerusalem und Rom auch zum politischen Heilszeichen. Kreuzreliquien und deren Kult verbreiten sich in ganz Europa. Wie umstritten das auch damals war, zeigt der Raub des „Heiligen Kreuzes“ durch Perserkönig Chosroe II. und dessen Rückeroberung durch den oströmischen Kaiser Heraklius 631 n. Christus. Danach vertiefte sich die Verehrung des „wahren Kreuzes“ in der Christenheit und man versuchte überall, an kleinste Kreuzpartikel zu kommen.

Nicht nur mit Luther ist das anders geworden. „Im Zeichen des Kreuzes“ kämpfen christliche Kirchen heute um Neuorientierung. Zu dieser Thematik bleibt die Ausstellung im Dommuseum vieles schuldig, aber gerade das setzt einen wichtigen Impuls zum Dialog.

Quelle: op-online.de

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