Bildhauer Rolf Kissel

Weiße Räume mit Poesie gefüllt

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Bildobjekt aus eloxiertem Aluminium.

Offenbach - Viele kennen ihn hier gar nicht, den Maler und Bildhauer Rolf Kissel, der seit Jahrzehnten ein Atelier in Offenbach betreibt. Von Reinhold Gries

Der 1929 in Frankfurt geborene Städelschüler ist eben ein Mann der leisen Töne, auch in seinen Bildobjekten, Reliefs, Zeichnungen und Gouachen, die erstmal in Offenbachs Haus der Stadtgeschichte zu sehen sind. Er braucht nicht laut zu sein, denn er weiß, dass er im Umkreis von „Zero“ und „Informel“ zu den prägenden Figuren der deutschen Nachkriegskunst gehört hat. Bis heute umgibt viele seiner Arbeiten aus den 1960er und 70er Jahren - der Schwerpunkt dieser Schau - eine wohltuende Aura unaufgeregter Zeitlosigkeit.

Nach Versuchen in monochromen schwarzen Maltafeln hat sich er sich seit Beginn der 60er Jahre auf die Farbe Weiß festgelegt, der er nicht nur in durch vertikale Holzlamellen rhythmisierten „Licht-Reliefs“ immer neue Wirkungen abgewinnt. .„Für mich ist das Arbeiten mit Weiß wie Ein- und Ausatmen. Was ich mag, ist die Fülle der Leere.“

Viel innere und äußere Arbeit

Ähnlich Zen-philosophisch wirken auch die Reliefs, meist nur mit Ordnungsnummern wie „LR - 1 - A 2“ oder „LR 2 E - 2“ versehen. Je nach Standort oder Schattenwurf wird aufgebrochener und durchbrochener Raum sichtbar, ohne materiell greifbar zu wirken. Dahinter steckt viel innere wie äußere Arbeit, auch mit plastischer Masse und Holz, um solch edle Distanz zum Betrachter herzustellen. So entschieden und konzeptionell wollte er - nach Auswüchsen des Action Paintings - neue ästhetische Ordnung und poetische Klarsicht stiften.

Sein Gespür für sparsam gesetzte wie ausgewogen reduzierte Form dominiert auch die Zeichnungen, in denen er die Seele seiner Kunst weiter öffnet. „Meta 2“ oder „Meta 6“ heißen zarte Gebilde, die auch aus Vertikalem, Horizontalem und Quadratischem bestehen, sich aber, nach sensibler Ausdeutung einiger Ecken und Linien, im Bildraum verflüchtigen. Und sich vielleicht im Unendlichen treffen, wie Mathematiker es Parallelen nachsagen. Manchem abstrakten Filigranwerk hat Kissel einen Hauch Farbe beigegeben, um sich der Formmetamorphose zu vergewissern.

Aber es gibt bei ihm auch Emotionaleres, weniger Kontrolliertes, vertreten durch expressive Pinselschläge und gestische Tuschespuren. „Partitur 3“, „A 1 Synkope“ und „Kontrapunkt“ heißen Arbeiten auf Papier, die ebenso von barocker Polyphonie beeinflusst sind wie von Kissels Hang zum Jazz. Auch eloxiertes Aluminium hat der vielfach Geehrte zu Bildobjekten montiert, deren strahlende Silbrigkeit es mit dem Weiß aufnehmen kann. Sehr nah gegangen sind Kissel historische Feldstudien in Weimar und Buchenwald, die in die Serie „Briefe aus Weimar“ mündeten. Hochformatige Zeichnungscollagen aus Topographien, Stempeln, Amtsschreiben und übermalter, weil verdrängter Vergangenheit zeigen, dass Kissel alles andere als „kühle Kunst“ betreibt.

„Rolf Kissel - Weißer Raum“ vom 12. Januar bis 9. Februar im Haus der Stadtgeschichte, Offenbach, Herrnstraße 61. Geöffnet: Dienstag, Donnerstag und Freitag 10-17 Uhr, Mittwoch 14-19 Uhr, Samstag und Sonntag 11-16 Uhr

Quelle: op-online.de

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