Schwanensee in der Großstadt 

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Frankfurter Flugstunde: Nicht klassisches Ballett, sondern eine actionreiche Mischung aus Street Dance, Breakdance und Athletik verabreichen die Schweden.

Frankfurt - „Swan Lake Reloaded“ macht aus „Schwanensee“ ein Großstadt-Drama. Choreograph Fredrik Rydman lässt darin Drogenhändler und Zuhälter zur Musik von Tschaikowsky tanzen. Von Christian Riethmüller

Vielleicht hat der schwedische Choreograph Fredrik Rydman kurz einmal an den Parsifal-Mythos gedacht, als er sich daranmachte, einen heiligen Schwan zu töten. Im übertragenen Sinne versteht sich, auch wenn es bei Rydmans Unternehmen durchaus um Schwäne geht, nämlich jene aus dem berühmtesten aller Ballette: „Schwanensee“.

Unbekümmert wie ein junger Parsifal hat Rydman die Frechheit siegen lassen und aus der klassischen „Schwanensee“-Geschichte ein Großstadt-Drama gemacht: Da ist der Baron von Rotbart (Daniel Koivunen) kein böserer Zauberer mehr, sondern ein Drogenhändler und Zuhälter, der auch die arme Odette (Maria Andersson) in seine Abhängigkeit gebracht hat. Siegfried (Robert Malmborg) ist kein Prinz, sondern Mitglied einer feierwütigen Clique; außerdem steht er unter der Fuchtel seiner skrupellosen Mutter (Gabriella Kaiser), die eine Braut für ihn sucht. Die Bewerberinnen gefallen Siegfried allerdings nicht, der stattdessen im Rotlichtmilieu fündig wird und sich in die heroinabhängige Odette verliebt.

Tschaikowskys Melodien im Remix

Drogen und Prostitution sind der Kosmos von Rydmans radikaler „Schwanensee“-Adaption „Swan Lake Reloaded“, die nun in der Jahrhunderthalle in Frankfurt zu sehen ist. Dort ist auch kräftig Hand an Peter Tschaikowskys legendäre Partitur gelegt worden. Die berühmten Motive sind zwar alle zu hören, doch meist mit Beats unterlegt und remixt. Dazwischen erklingen Songs von schwedischen Popstars wie Moneybrother, Adiam Dymott und Salem Al Fakir.

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Im Banne des Dealers Rotbart

Dazu kann selbstverständlich nicht klassisches Ballett getanzt werden. Stattdessen glänzt das zehnköpfige Ensemble mit einem irren Mix aus Street Dance, Breakdance und Athletik (glänzend: Fredrik Wentzel), der gleichwohl auch seine lyrischen Momente hat, wenn etwa Siegfried und Odette in langsamen und gleitenden Bewegungen zueinander finden und somit an die Anmutung des Originals erinnern. Der Vorlage aus dem 19. Jahrhundert hat Rydmans Interpretation die Technik voraus. Linus Fellbom und Emma Westerberg sorgen mit ihrem Lichtdesign für visuelle Höhepunkte, die den Choreographien in nichts nachstehen.

Schon die Eingangsszene mit dem in dämonisches Schwarz gewandeten Rotbart, der mit Lichtelementen wie auf dem Touchscreen eines Smartphones zu spielen scheint, lohnt eigentlich den Besuch einer Show, die vielleicht tatsächlich einen heiligen Schwan tötet, doch dafür einem neuen das Leben geschenkt hat. Weitere Aufführungen am 9. und 10. März

Quelle: op-online.de

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