Heiß geliebt und kühl gerechnet

„Wo ein Faust ist, muss ein Gretchen sein – oder eine Helena.“ Dieser Gedanke hat Friedrich Christian Delius zu seinem Roman „Die Frau, für die ich den Computer erfand“ beflügelt, den er im Frankfurter Literaturhaus vorgestellt hat. Von Markus Terharn

Sein Faust ist Konrad Zuse (1910-1995), der 25-jährig beschließt, eine Universalrechenmaschine zu entwickeln, angeregt von einem Rilke-Satz. Helena ist im Text Ada Lovelace (1815-1852), Mathematikerin und Tochter des Dichters Lord Byron.

Gestützt auf Zuses Autobiografie hat sich Delius gegen die Mathematik und für die Dichtung entschieden. Aus einem Drei-Satz-Gespräch, das er mal mit dem genialen Tüftler geführt hat, fantasiert er einen 288-Seiten-Monolog zusammen, den der Greis einem jungen Journalisten auf einer einsamen Basaltkuppe in der Hessischen Rhön hält.

Ist ein Mensch, der sich dafür eine Vollmondnacht aussucht, Rationalist oder Romantiker? Der Buch-Zuse ist beides, das macht ihn interessant. Mit dem Selbstbewusstsein eines alten Mannes, der weiß, was er geleistet hat, erinnert er sich an die riesige Apparatur, die er im Berliner Wohnzimmer aufgebaut hat. Und an seine ideelle Liebe zu Ada, der einzigen Frau, die ihn hätte verstehen können. Auf Grundlage des Dualsystems gelingt ihm im dritten Anlauf der erste funktionsfähige Großrechner, später die erste Programmiersprache.

Delius lässt ihn davon mit großer Redegewandtheit und trockenem Witz berichten. Für seine Mischung aus Wissenschaftshistorie und Fiktion findet er die perfekte Form. Einen „guten Erfinder von Titeln und guten Finder von Themen“ nennt Hausherrin Maria Gazzetti den Schriftsteller. Ein guter Erzähler von Geschichten ist er auch.

Quelle: op-online.de

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