Heitere Seite eines Genies

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Erwischt, Freundchen! Gerichtsrat Walter ( Stefan Holm, links) ist die ewigen Ausflüchte von Dorfrichter Adam (René Laier) bald leid.

Offenbach - Im Leben hatte Heinrich von Kleist nicht viel zu lachen. Die Ironie des Schicksals fügte es, dass ausgerechnet ein Lustspiel zum beliebtesten Bühnenwerk dieses Unglücklichen wurde. Von Markus Terharn

Da war es eine gute Idee, am 200. Jahrestag seines Freitods die heitere Seite des Genies in Erinnerung zu rufen. Dem Publikum der Reihe „Theateressenz Offenbach“ bescherte die Komödie „Der zerbrochne Krug“ einen unbeschwerten Abend im leider mäßig besuchten Capitol.

Drei Einschränkungen wären zu machen: Ohne Not unterbrach die Badische Landesbühne ihre anderthalbstündige Inszenierung durch eine Pause kurz vor dem Ende, die Sache künstlich auf zwei Stunden streckend. Dieser Eingriff wurde dadurch nicht besser, dass er einen prominenten Paten hatte – kein Geringerer als Johann Wolfgang von Goethe machte die Uraufführung in Weimar 1808 durch Dreiteilung des Einakters zum Misserfolg. Zudem war es offenbar unmöglich, die schlechte Akustik des Saals ohne Mikrofone zu meistern. Warum ferner die Bretter vor dem eigentlichen Vorstellungsbeginn von Turnkindern bevölkert waren, erschloss sich nicht recht.

Dem urkomischen Stück konnte all das nichts anhaben. Handlung, Figuren und Sprache zündeten auch in Offenbach. Die ohnehin knackigen Verse hatte Regisseur Carsten Ramm weiter zugespitzt, sein Ensemble zu zügigem Agieren anhaltend.

In der beliebten Paraderolle des Dorfrichters Adam bot René Laier das übliche Jammerbild: An Stirn und Hinterkopf übel zugerichtet, dazu um beide Perücken gebracht, musste er ausgerechnet vor den Augen des strengen Gerichtsrats seines Amtes walten. Die Hangelei von einer Ausflucht zur nächsten, die verzweifelten Bemühungen, das Verfahren niederzuschlagen, um seine Schuld zu verdecken: Das war mimisch wie verbal ein Fest für Auge und Ohr und trug dem Schauspieler viel Heiterkeit ein!

Die Charaktere aus dem Bauernvolk leisteten das Ihre. Allen voran Barbara Bernt, für die erkrankte Cornelia Heilmann eingesprungen als Marthe Rull, die mit nimmermüdem Maul und reger Gestik ihre Klage um das kaputte Gefäß vorbrachte. In Zeiten, da Deutschland in Afghanistan verteidigt wird, trat Matthias Hinz als der von ihr der Tat bezichtigte Ruprecht in Vierfarbtarnung mit Bundeswehrabzeichen vor die nüchterne Einheitskulisse (Ausstattung: Ines Unser).

Um seine Einberufung an den Hindukusch – im Original nach Ostindien – zu verhindern, wagte die ängstliche Eve (Sandra Pohl in Jeans-Mini und Girlie-Rolli) nicht zu erzählen, was sie wusste. Da konnte Ruprechts schlicht gestrickter Vater (Hannes Höchsmann) wenig ausrichten. Erst dank der Zeugin Brigitte (Alice Katharina Schmidt, schrill gewandet wie Nina Kunzendorf als Frankfurter „Tatort“-Ermittlerin) kam die Wahrheit heraus...

Als Justizaufseher wies Stefan Holm die erforderliche Würde und Statur auf und wahrte angenehm ironische Distanz zum Geschehen. Dagegen blieb Philipp Dürschmied als Schreiber Licht unauffällig. Wie dieser eifrig eigene Interessen betrieb und dafür mit der Nachfolge Adams belohnt wurde, das war anderswo schon deutlicher zu erleben.

Dennoch ging das Konzept auf, den Offenbachern wieder einen Klassiker zu präsentieren, der in der Stadt lange nicht gespielt wurde. Anhaltender Beifall dankte den Gästen aus Bruchsal.

Quelle: op-online.de

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