Sonderausstellung im Deutschen Filmmuseum

Helden dürfen Schwäche zeigen

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US-Präsident Barack Obama ist in Frankfurt im Superman-Kostüm zu sehen. Das im Filmmuseum ausgestellte Plakat stammt von dem US-Künstler „Mr. Brainwash“.

Frankfurt - Was macht einen Helden aus – und ist ein Held von heute noch derselbe wie vor 100 oder vor 1000 Jahren? Eine Ausstellung im Deutschen Filmmuseum Frankfurt beschäftigt sich mit Helden für Kinder. Von Sandra Trauner

Odysseus und Achill, James Bond und Superman, Pippi Langstrumpf und Wickie – jede Epoche, jede Kultur, jede Generation hat ihre eigenen Helden. Eine Ausstellung im Deutschen Filmmuseum in Frankfurt zeigt ab morgen, welche derzeit bei Kindern hoch im Kurs stehen und wo man sie findet: nicht nur im Buch und im Kino, sondern auch in Computerspielen oder als Sammelfiguren. Die Schau, die zuvor bereits in Berlin zu sehen war, läuft bis 29. September.

Für Kinder erfüllen Heldengeschichten vor allem drei Funktionen, erklärt Jörn Ahrens, Professor für Kultursoziologie an der Universität Gießen: „Widerstandsfiguren wie Pippi Langstrumpf geben das Selbstbewusstsein, das Eigene gegen übermächtige Kräfte – etwa die Eltern – durchzusetzen.“ Figuren wie Harry Potter lebten davon, dass sie „Räume der Fantasie aufmachen“. Helden wie die aus „Star Wars“ dagegen seien „zu Schemen gewordene moralische Kategorien“; ihre Hauptaufgabe ist es, zu sagen, was gut und was schlecht ist.

Der aktuelle 007 ist menschlicher

Der Kultursoziologe Ahrens beschäftigt sich seit Langem mit Heldenfiguren und hat dabei festgestellt, dass unser Helden-Bild stark im Wandel begriffen ist. „Der Held hat Elemente des Antihelden in sich aufgenommen, sie sind zu einer Figur verschmolzen.“ Ein Held ist für ihn jemand, „der sich in außergewöhnlich geradliniger Weise für etwas einsetzt, dabei Risiken auf sich nimmt und immer integer vorgeht“. Ein Antiheld ist einer, „der die Rolle des Helden nicht annimmt, der sich dem System verweigert, ein subversives Element mit hineinbringt“.

Gut sehen könne man den Wandel bei James Bond, sagt Ahrens. Früher sei der Agent „ein unmenschlicher Mensch“ gewesen, so perfekt, dass er schon fast wieder inhuman war. Der aktuelle 007 (Darsteller Daniel Craig) sei menschlicher, habe Gefühle, mache Fehler. Das mache ihn spannender und realistischer, sei aber nicht ungefährlich. Ahrens befürchtet, dass die Figur nach ihrem Relaunch „nicht mehr richtig funktioniert“, weil der Zuschauer gerade bei diesem Helden keine Ambivalenz haben will.

Um Individualismus geht es auch im Filmmuseum

So richtig neu sind die „neuen“ Helden indes nicht: Bereits die antiken Heroen waren „hochgradig ambivalente Figuren, die das Unglück schon in sich tragen“, sagt der Kultursoziologe. Erst in der Moderne entwickelte sich der Held „zu einer eher geradlinigen Figur, die keine Brüche mehr aufweist“.

Wie ein Held „funktioniert“, ist überall in der Welt gleich, wofür er einsteht ist hingegen kulturabhängig. In den USA ist er häufig Racheengel, in Afrika geht es oft um Gemeinschaft, asiatische Helden empfindet der Westen bisweilen als pathetisch, europäische Helden treten gern „als Agenten des modernen Individualismus“ auf.

Um Individualismus geht es auch im Filmmuseum in Frankfurt. Am Ende der Ausstellung sollen die Kinder „bei sich selbst ankommen“, sagt Filmmuseum-Sprecherin Frauke Haß. Nach den Heldentaten von Wicki, Pippi und Harry treffen sie auf „Helden von nebenan“: Kinder, die sich für ihre Mitmenschen einsetzen und damit beweisen, „dass man für Heldentaten nicht unbedingt Superkräfte braucht“. J dpa

  • „Helden“ vom 27. Mai bis 29. September im Deutschen Filmmuseum, Schaumainkai 41, Frankfurt. Öffnungszeiten: Dienstag 10-18 Uhr, Mittwoch 10-20 Uhr, Donnerstag bis Sonntag 10-18 Uhr

Quelle: op-online.de

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