Helden unserer Zeit

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Männliche Körperlichkeit in knalligen Farben, oft aus der Welt des Sports, ist Schneiders bevorzugtes Sujet.

„Die Malerei kann man nicht mehr neu erfinden. Heute geht es darum, zu wissen, wen und was man im richtigen Kontext zitiert“, meint Katja M. Schneider, Offenbacher Malerin mit finnischen Wurzeln. „Ich bin ein Fan alter Meister, die werden mir nie langweilig.“ Von Reinhold Gries

Das ist ihren wundervoll gemalten modernen Helden anzusehen, die in der Ausstellung „he roes reloaded“ im Haus der Stadtgeschichte die Blicke auf sich ziehen.

Der Betrachter begegnet goldenen Hintergründen à la Giotto, Renaissance-Faltenwürfen, Landschaften des Lucas Cranach und Ornamenten im Jugendstil Gustav Klimts. Schneider kopiert nicht, sie komponiert. Ihre oft aus der Sportwelt stammenden Helden haben eine Bearbeitung hinter sich. Aus Tageszeitungen schneidet sie Abbildungen und nimmt sie in den Bilderfundus auf. Dort lagern sie, lösen sich aus altem Kontext, um zu neuen Bildideen zu reifen. Dann werden die Ausgangsbilder eingescannt, am PC zerschnitten und moduliert. Pixel werden auf Papier collagiert, überzeichnet und übermalt. Fast altmeisterlich wird das moderne Collage-Prinzip in Acrylmalerei auf Leinwand übertragen.

Was da herauskommt: Fußballer in neckig bedruckten Sommerschlafanzügen, die sich zu neuartiger Laokoon-Gruppe vereinen. Ineinander verschlungene „Heroes“ aus Abba-, David-Bowie- und Sarah-Connor-Songs. Zartblau vor goldener Wand changierende „Private Dan cers“ in gotischem Maßwerk – Malerei vom Feinsten, eine Spielart der „Neuen Prächtigkeit“.

„Katja M. Schneider – heroes reloaded“, bis 28. März im Haus der Stadtgeschichte, Herrnstraße 61, Offenbach: Dienstag, Donnerstag, Freitag 10 bis 17, Mittwoch 14 bis 19, Samstag/Sonntag 11 bis 16 Uhr

Nicht zu übersehen ist die Ironie, mit der Schneider ihre zuweilen homophil wirkenden Männer arrangiert, Körpergestus durch entrückte Mimik und verdrehte Haltung konterkarierend. Ikonenhafte Titel geben die Richtung an: „The winner takes it all“, „Kisses for me“, „From zero to hero”, „Stronger than life“ oder „Just for one day“. Schneider nimmt sich die Freiheit, Gesichter leer zu lassen oder mit gestempelten Ornamenten auszustatten, die Tapetenkatalogen entstammen könnten.

Gegenüber früheren Werken hat sich das Kolorit abgekühlt, besitzt aber im Triptychon „Rot – Grün – Gelb“ immer noch Kraft und Augenreiz. Virtuos und vielschichtig setzt sie abstrakte Formenspiele neben griffige Körperlichkeit, auch im großen Malkino von „Heldenverehrung 2.0“, ornamental verfremdete Fußballer vor verspielter Hundertwasser-Landschaft im Jubel vereinend. Formal wie inhaltlich gebrochen ist die Monumentalität der vier Bildquadrate von „Fight Club“.

In der Kunst des Weglassens üben sich Mixed-Media-Blätter ohne Titel. Männliche Körper sind auf elegante Linien reduziert, aus denen knallfarbige Frisuren aufleuchten. In Tattoos, Stoffmustern und Dekors dieser Antihelden mischt sich Florales mit Barockem und Geometrischem.

Quelle: op-online.de

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