Herrlich schräger Bühnenklamauk

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Michael Quast und Andreas Uhse ist in „Messias“ wirklich nichts heilig...

Frankfurt - Bernhard und Theodor sind talentfreie Schauspieler, haben sich aber ein ambitioniertes Ziel gesetzt: Sie wollen die Weihnachtsgeschichte nachspielen. Und zwar zu zweit. Von Astrid Biesemeier

Etwas Unterstützung bekommen sie von der Opernsängerin Erna Timm. Der „Messias“, jetzt im Frankfurter Schauspiel zu sehen, ist also nicht nur wenig heilig, er ist auch eine Satire auf den Theaterbetrieb.

Und so geht es in Patrick Barlows Stück auch um Rollen und Eitelkeiten, Streitereien um Auftritts- und Sprechlängen und die Verquickung von Leben und Bühne. Dem höheren Ziel, die Weihnachtsgeschichte aufzuführen, dient das alles natürlich nicht. Für das Publikum aber ist es ein Heidenspaß, zu sehen, wie Bernhard (Andreas Uhse) und Theodor (Michael Quast) nicht nur tapfer durch sämtliche Rollen dilettieren sondern dabei auch noch unverhohlen ihre Befindlichkeiten zur Schau stellen.

Unzählige Male verschwinden sie hinter den Türen der hellen Holzwand (Bühne und Kostüme: Julia Plickat) um schnell das lange blaue Tuch hervorzuzerren, dass aus Bernhard Maria macht, die Flügel anzulegen, die den Erzengel ausweisen, oder um mit Norwegerpullis und Mützen zu Schäfern zu werden. Das Niveau der Kostüme und Requisiten überschreitet die schauspielerischen Leistungen natürlich keinesfalls. Mangels Ideen und Talent schrecken die Dilettanten nicht davor zurück, ihre Rollen durch Dialekte, Sprachfehler oder fremdsprachige Akzente voneinander abzusetzen. Historische Stimmigkeit ist ihnen völlig fremd sein. So findet die von Bernhard zur Schlüsselszene deklarierte Geburt Jesu hinter einem Windschutz statt, damit Bernhard, der sich gerade noch hingebungsvoll in die hochschwangere Maria eingefühlt hat, zur patenten Geburtshelferin Josefine mit Rote-Kreuz-Käppi wird.

Wunder an Wandlungsfähigkeit

Weitere Aufführungen am 5., 7., 9., 15., 22., 25. und 29. November.

Ironischerweise begeistert vor allem Andreas Uhse als Bernhard, obwohl er Quasts Theodor doch ziemlich ausgeliefert ist. Denn während bei Quast immer der Kabarettist durchschimmert und er etwas übertrieben, aber nicht allzu variabel agiert, ist Andreas Uhse ein kleines Wunder an Wandlungsfähigkeit. Er ist komisch, gerade weil er die Situationen ernst nimmt und immer schön auf Augenhöhe mit seinem Bernhard bleibt.

Interaktionen mit dem Publikum dürfen da nicht fehlen. Zur Tradition zählen auch aktuelle und lokale Anspielungen. Manches bewegt sich da fast schon an der Grenze zur Albernheit. Genau betrachtet, ist auch nicht alles an der Inszenierung von Ronny Jakubaschk stimmig: Es dauert einige Sätze, bis die Situation deutlich wird, Sonja Ebel-Eisa als Erna bleibt ein Fremdkörper, was aber durchaus Komik hat, und der Schluss scheint etwas abrupt. Aber bei so einem Stück kann man darüber hinwegsehen. Amüsiert man sich doch bestens über diesen wenig weihnachtlichen Bühnenklamauk.

Quelle: op-online.de

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