Herz und Hirn gebildet

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Sonntags im Seniorenheim: Ludwig (Jack Recknitz) unterrichtet Paula (Greta Carl) unter den Augen von Elisabeth (Brigitte Goebel), derweil Norbert (Axel Küffe) und Franz Josef (Norbert Roth) dem „Trivial Pursuit“ frönen.

Wenn einer die Fragen nicht lesen und einer sie nicht beantworten kann, einer den Klugscheißer gibt und eine vermittelt: Dann wird im Altenheim „Trivial Pursuit“ gespielt. Jeden Sonntag geht das so in der Seniorenresidenz Freudenau, bis der Bote vom Gasthof kommt und Ludwig von Schwitters sein traditionelles Pariser Schnitzel bringt.  Von Markus Terhan

Im Spielplan bis 9. April

Eines schönen Sonntags indes erscheint stattdessen die junge, forsche Punkerin Paula. Fortan weht ein frischer Wind durchs vermuffte Haus – und durch Stefan Vögels Volksstück „Ritter Ludwig“. Die beschwingte Mehrgenerationenkomödie hat Dieter Gring am Volkstheater Frankfurt inszeniert. Nach der Filmadaption „Altweiberfrühling“ ist es Vögels zweiter Erfolg an der Liesel-Christ-Bühne. Schwitters stammt aus uraltem Ritteradel, aber von echter Ritterlichkeit sind seine Manieren weit entfernt. Paula ist allein erziehende Mutter aus einfachen Verhältnissen, ohne Schulabschluss, jedoch nicht auf den Kopf und schon gar nicht auf den Mund gefallen. Beste Voraussetzungen für witzige Wortgefechte, bei denen keiner dem anderen etwas schuldig bleibt.

Dabei könnte jeder vom anderen lernen: Paula die Verstandesbildung, die ihr das Leben bislang vorenthalten hat, zumal auf dem Gebiet der Mathematik; Ludwig jene Herzensbildung, die dem früheren Leiter eines Elite-Internats irgendwann verlorengegangen ist.

Greta Carl muss gebremst werden

So viel zum Konfliktpotenzial des Werks, das Regisseur Gring nicht tiefer auslotet als nötig. Den Intendanten der Hanauer Märchenfestspiele interessiert das komische Potenzial. Und das ist beträchtlich. Es lebt nicht allein von den Gegensätzen zwischen den Protagonisten, sondern auch vom übrigen Personal.

Jack Recknitz gibt einen knorrigen Greis, der im Verlauf der Handlung vom Grobian zum Grandseigneur zurückfindet – obwohl ein dunkles Geheimnis aus seiner Vergangenheit zutage tritt. Greta Carl gefällt mit Unbekümmertheit und hoher Natürlichkeit, müsste vielleicht eher ein wenig gebremst werden.

Authentische Dialoge mit Musik drin

Um sie herum wird mit viel Spaß an der Freude gemimt. Gelacht werden darf auf Kosten des kurzsichtigen Norbert Klinke (Axel Küffe erneut in einer schönen Gastrolle) wie des verwirrten Franz Josef von Lojewski (Fastnachter Norbert Roth in einer dankbaren Paradepartie). Gefühlt werden darf mit der damenhaft eleganten, mädchenhaft verliebten Elisabeth Kerr (Brigitte Goebel mit einem überzeugenden Auftritt). Und geschmunzelt werden darf über die resolute Krankenschwester Isolde (Corinna Maria Lechler in der Art eines Panzerkreuzers).

Autor Vögel hat dem Volk aufs Maul geschaut. Seine Dialoge wirken authentisch, hätten aber die ein oder andere Straffung vertragen. Rainer Schöne hat seine Bühne beziehungsreich mit Antiquitäten ausgestattet. Bärbel Christ-Heß und Claudia Rohde haben die Charaktere treffend eingekleidet. Und in Sabine Rollers flotter Choreografie rappen alle, dass es eine Lust ist: Da ist Musik drin!

Quelle: op-online.de

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