Tenor Peter Marshs wichtige Rolle in „Hänsel und Gretel“

Ein Hexerich statt der Knusperhexe

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Der amerikanische Tenor Peter Marsh ist seit vielen Jahren Mitglied des Ensembles der Oper Frankfurt. Nun ist er in Humperdincks Märchenoper „Hänsel und Gretel“ zu hören.

Frankfurt - Erstmals hat er Humperdincks Märchenspiel 1999 in der Frankfurter Inszenierung von Andreas Homoki erlebt. Von Klaus Ackermann

Jetzt steht Tenor Peter Marsh, langjähriges Ensemblemitglied der Oper Frankfurt, selbst in „Hänsel und Gretel“ auf der Bühne - als Knusperhexe, unter der Regie des Briten Keith Warner.

Statt Knusperhexe ein Hexerich: Das ist für den Sänger aus Fredonia im US-Staat New York durchaus eine Herausforderung. Soll er doch nicht nur eine zauberhafte Bühnenkarikatur abliefern, sondern auch einen Menschen aus Fleisch und Blut darstellen. Das sei mit viel Bewegung, Tanz und Kostümwechsel verbunden. Denn die Inszenierung des in Wagners Bayreuth geadelten und in Frankfurt viel beschäftigten Keith Warner gehe von Wirklichkeiten aus, „in die selbst die Brüder Grimm involviert sind, die Urheber von „Hänsel und Gretel“, sagt Marsh. Märchenhaft werde die Szene erst im Wald, in den sich das Geschwisterpaar verirrt hat. Dass der Regisseur den Sänger als zwischen weiblicher und männlicher Identität schnell wechselndes Zauberwesen ausgewählt hat, mag auch an Marshs heller und vor allem hoher Stimme liegen. „Manchmal werde ich am Telefon als meine eigene Sekretärin angesprochen“, sagt der Tenor augenzwinkernd.

Marsh schon in vielen Rollen zu sehen

In Frankfurt war Marsh schon in vielen Rollen zu sehen, von Mozarts Pedrillo über einen fabelhaften Mime in Wagners „Ring“ bis hin zum Kimmo in Sallinens dunklem Operndrama „Kullervo“. Gleichwohl hat er noch Wünsche übrig im Heldentenor-Fach. Da reizen ihn vor allem die schwierigen Partien der Wagner- und Richard-Strauss-Opern. Gern wäre er aber auch der Sträfling Jean Valjean im Musical „Les Misérable“ nach Victor Hugo.

Dass er als Sänger einmal Karriere machen würde, war Marsh, Sohn eines Maurers und einer Apothekenhelferin, nicht in die Wiege gelegt. Seine Mutter hält es heute noch für ein Wunder. Denn er habe bei Musik aus dem Radio so falsch mitgesungen, dass sie schleunigst den Abstellknopf betätigt hätte, erzählt Marsh nicht ohne Behagen. Doch schon auf der High School wirkte er in Musicals mit, bekam ein Stipendium, ließ sich in Oregon als Musiklehrer ausbilden und erwarb sein Diplom als Opernsänger in Texas, wo er auch sein Bühnendebüt als Zirkusdirektor in Smetanas „Verkaufter Braut“ gab.

Fest engagiert wurde er dann 1998 an die Oper Frankfurt, wohnte damals zunächst in Offenbach, zog später mit Ehefrau, einer Pianistin, und zwei Kindern nach Bad Vilbel. Frankfurt ist seither seine zweite Heimat, „eine kleine Großstadt“, wie Marsh es formuliert. „Man hat das Gefühl, hier von jedem Land jemand treffen zu können und trotzdem in einer Gemeinde zu leben, wo jeder jeden kennt“, sagt Marsh, der sich eine Rückkehr in die Vereinigten Staaten nicht vorstellen kann. Auch seiner großen Liebe zu deutschem Wein, Bier und Brot wegen.

Die musikalische Leitung der Märchenoper „Hänsel und Gretel“ mit den Titelhelden Louise Alder und Katharina Magiera hat Sebastian Weigle. Premiere ist am Sonntag, 12. Oktober, um 18 Uhr im Frankfurter Opernhaus am Willy-Brandt-Platz.

Quelle: op-online.de

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