Probelauf für Filmfestival

Frankfurt - Es soll nur ein Testlauf sein, doch die Versuchsanordnung in Frankfurts Naxoshalle kommt dem Ideal ziemlich nahe. Von Carsten Müller

Die Kick-Off-Veranstaltung der „B3 – Biennale des bewegten Bildes“, Nachfolger des von der Stadt Frankfurt, der Landesmedienanstalt und dem Land Hessen ausgerichteten eDIT-Filmmakers Festival, ist ein Marktplatz der Filmbranche und vor allem ein Triumph für die Offenbacher Hochschule für Gestaltung (HfG), die Konzept und Umsetzung verantwortet.

Das betont auch Hessens Kultusministerin Eva Kühne-Hörmann in ihrer Ansprache im Beisein des Direktors der hessischen Landesanstalt für privaten Rundfunk und Medien, Wolfgang Thaenert. In nur fünf Monaten sei es der HfG gelungen, „Institutionen und Ideen zusammenschmieden“. Man sei einem guten Konzept verfallen, erläuterte HfG-Präsident Bernd Kracke, der sich bei dem Berliner Festivalmacher Marcel Schwierin und der HfG-Filmprofessorin Rotraut Pape ausdrücklich für ihre Mitarbeit bedankt. „Wir haben die Herausforderung gern angenommen“, sagt Kracke. Er ist stolz darauf, dass die HfG ein neues Veranstaltungsformat für Rhein-Main und Hessen entwickeln kann.

„Kleider machen Freunde“

Und das wirkt ähnlich vielschichtig wie die bei den Offenbacher Rundgängen präsentierten HfG-Disziplinen, zumal unterschiedlichste Institutionen beteiligt sind, die sich auf acht Plattformen vorstellen. Falk Schuster beispielsweise erklärt unter dem Titel „Kann ich auch“ beim vom Kinder- und Jugendfilmfestival Lucas unterstützten Trickfilm-Workshop gerade einer Schulklasse, wie sein Film „Kleider machen Freunde“ in Stopmotion-Technik entsteht. Nebenan erläutert der erfahrene Filmemacher und Medienkünstler Lothar Spree einer Handvoll Zuhörer das mit medialen Ausdrucksformen experimentierende Empowerment-Programm der Freien Universität Berlin. Im Foyer zeigt das Museum of Electronic Game and Art der TH Darmstadt gestengesteuerte Videospiele.

Weitere Präsentationen drehen sich um neue Finanzierungsformen für Filmprojekte wie Crowdfunding, um künstlerische Praxis des Filmemachens, die Zukunft des Kinos und den Umgang mit digitalen Medien, aber auch ganz konkret um die Arbeit des Oscar-prämierten Frankfurter Studios Pixomondo, Kuppelprojektionen oder den Umgang mit Drohnen-Kameras und um digitale Kunstformen in Bild und Ton. Auf dem Gang zwischen diesen Themen-Kojen drehen Jugendliche aus dem Gallus eine Stopmotion-Szene mit dem iPad, nebenan laufen Kurzfilme von Amateuren der „Visionale“ und angehenden Profis der „Hessen Talents“ im Kopfhörer-Kino.

Auf der Hauptbühne geben sich bei Staffelgesprächen wechselnde Dialogpartner im Zehn-Minuten-Takt den Debatten-Stab in die Hand, sprechen renommierte Referenten Keynotes, etwa Kulturtheoretiker Diedrich Diedrichsen, der sich unter dem Titel „Bildende Kunst essen Experimentalfilm auf“ mit dem Wandel des Genres durch veränderte wirtschaftliche Bedingungen und neue Formen des Medienkonsums beschäftigt. Etwa 2000 Film- und Medienschaffende haben sich angesagt, der Probelauf scheint auch von daher gelungen. Und sogar das Abendprogramm mit Gala und Abschlussparty ist eines Festivals würdig.

Quelle: op-online.de

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