Junge Kunst auf neuen Wegen

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Brückenbauer: Yacin Boudalfas Lichtinstallation „Bridge“ reagiert auf Bewegung.

Offenbach - Unter dem Titel „Current Analogies“ zeigen Studenten der Hochschule für Gestaltung neue Positionen der digitalen Kunst in der Reihe „Gout“ des Sheraton-Hotels am Offenbacher Büsingpark. Von Carsten Müller

Die Offenbacher Hochschule für Gestaltung darf das aus dem ehemaligen Parkbad hervorgegangene Sheraton-Hotel seit 2005 als dauerhaften Ausstellungsraum nutzen. Die Studenten nutzen den kreativen Freiraum weidlich aus, zeigen in professioneller Präsentation Arbeiten von der Lichtinstallation bis zum Raumkonzept. Und wecken dabei mehr oder weniger deutliche Reminiszenzen an die Vergangenheit des Gebäudes.

Brücke zur Gegenwart

Eine Brücke zur Gegenwart schlägt Yacin Boudalfas interaktive Lichtinstallation, die auf dem Fußgängerübergang zwischen Büsingpalais und Hotelbau ein dynamisches Farbspiel inszeniert. Direkten Bezug zur Historie knüpft Juliane Eichenberg, die den ungenutzten Zwischenraum des Treppenhauses in ihrer Installation magisch verwandelt hat. Ein Schwimmbecken mit Bahnen, hellblau-schwarzen Kacheln, Leiterfragment und Startblöcken hat sie dort eingerichtet. So wird der architektonisch tote Winkel zum Raum der Erinnerung.

Organische Wasser- und Wolkenwelten

Darüber bewegt sich Merlin Flügels „Schwarm“ als Rasteranimation auf einer Plexiglasplatte hin und her. Schwarze, fischähnliche Wesen huschen wie spukhafte Schatten am vorübergehenden Betrachter vorbei. Fabelgestalten bevölkern Jan Buchzyks großformatige und farbkräftige Illustrationen mit dem Titel „Parkbad“. Seine Digitalprints zeigen hybride Wesen mit Vogelkopf und menschlichem Körper, die sich in Badekleidung im Wasser oder der Umkleidekabine lümmeln. Es sind alltägliche Szenen, die von surrealen Verzerrungen der Wasseroberfläche wirkungsvoll gebrochen werden.

Horizonte verschiebt Jennifer Wagner in ihren Inkjet-Prints auf Dibond. Organische Wasser- und Wolkenwelten gehen dort in irritierender Weise ineinander über, getrennt oder auch verbunden von harten geometrischen Kanten. Die montierten Fotos und Videostills wirken wie Landschaften auf Schwarzweiß-Negativen.

3D-Animation „Luftschiff“

Timo Lenzens 3D-Animation „Luftschiff“ öffnet Fenster zu einer konstruktivistischen Welt. Auf nebeneinander gehängten Bildschirmquadraten erscheint und verflüchtigt sich sein geometrisches Arsenal in geheimem Rhythmus. Mathias Bärs Videoinstallation „Totems“ zeigt maskenhaft verfremdete Porträts. Interaktiven Charakter haben auch die Arbeiten von Leonie Link und Julia Zuleger. Sie zeigen Fantasiewesen, die sich hinter Lentikularfolie bewegen wie 3D-Wackelbilder. Dominik Keggenhoffs auf drei Bildschirme verteilte 3D-Animation „Bühnen“ versetzt Interieurs auf virtueller Drehbühne in Bewegung,

Dynamik bringt Anna Skopp in die monochromen Flächen ihrer Inkjet-Prints. Buchstaben schweben, bilden Worte, kippen über Kanten, wirken flüchtig wie Rauch oder flimmern wie ein Testbild. Darin kann man sich ebenso verlieren wie in den spiegelnden Tiefen der Kasten-Installation von Lisa Hopf mit ihren pulsierenden LED-Lichtern. Simon Keckeisens Formerkundungen leuchten auf großformatigen Digitalprints farbgrell und hochglänzend wie futuristisches Mobiliar. Da wird Thekra Jaziri konkreter, die in zarten figürlichen Illustrationen Requisiten eines Familienausflugs katalogisiert. Der könnte ins Schwimmbad führen – oder eben ins Hotel ...

Quelle: op-online.de

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