Hinter Monroes Maske

Bernhard Mikeskas  „Making of :: Marilyn“

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Gespräche auf Kussnähe: Franziska Junge als erwachsene Marilyn in einem Raum der Frankfurter Inszenierung.

Frankfurt - Theater für einen einzelnen Zuschauer – ein starker Eindruck müsste so etwas sein! Wiederholt bietet das Frankfurter Schauspiel das nun an, entwickelt von Regisseur Bernhard Mikeska und Dramaturgin Alexandra Althoff, der Text stammt von Dramatiker Lothar Kittstein. Von Sebastian Hansen

Durch „Making of Marilyn“ werden an jedem Abend binnen fünf Stunden zwanzig Zuschauer geschleust, ein Durchgang dauert gut eine Stunde. Von dem Trio stammen bereits ähnliche Projekte wie „Remake :: Rosemarie“ von 2009, mit einem Schwerpunkt auf Mythen des Zwanzigsten Jahrhunderts.

Ein Reiz des Ungewissen schwingt bei solchen Unternehmungen immer mit. Man werde es mit „düsteren und zum Teil beengenden Räumen“ zu tun bekommen, teilt das Schauspiel vorher auf einem Handzettel mit. Als Erstes wird man über Kopfhörer in einer Kabine von der Enge einer Telefonzelle dazu aufgefordert, eine Augenbinde anzulegen und eine Tür zu öffnen. Ein Haus liege dahinter, mit Innenhof und Pool, es gehöre einem, man sei lange nicht dort gewesen, es ist tiefe Nacht. Eine Mitarbeiterin führt einen durch das Foyer der Kammerspiele über die Straße – über den Kopfhörer hört man Verkehrslärm samt US-Polizeisirene – und durch den Bühneneingang zurück; nach einer Fahrt mit dem Aufzug ahnt man lange Flure. Alsbald findet man sich allein in einem Schlafzimmer wieder. Ein weißes Bakelittelefon klingelt. Ein Mann fragt unter anderem, wovor man Angst habe und ob er vorbeikommen dürfe? Man möge ihm die Tür öffnen.

Verführerisch, bis auf Kussnähe

Dahinter: ein winziges Kino. Eine typisch als „Marilyn Monroe“ aufgemachte Schauspielerin (Franziska Junge) ist in einer beliebig erscheinenden Szene mit einem Kind auf der Leinwand zu sehen; bald erscheint sie leibhaftig, setzt sich neben einen und beginnt ein Gespräch. Verführerisch, bis auf Kussnähe kommt sie heran.

Dann: Ein Verlies mit einer fahlen Deckenleuchte, ein schlafender Mann liegt auf einem Sofa. Aufgewacht, fordert er einen dazu auf, sich hinzulegen; es ist die Freudsche Couch, auf der man sich wiederfindet. Der „Doktor“ (Martin Rentzsch) verheißt salbungsvoll Heilung. Dieser Ralph Greenson, Monroes für ein Verhältnis der wechselseitigen Abhängigkeit bekannter Psychiater, bettelt zugleich, man solle bleiben, schließlich müsse er sein Buch vollenden. Was ist das nun: Bin ich Marilyn Monroe?

Schon klar – viel zu klar

Auf der nächsten Station, im Ambiente eines Hinterhofs begegnet man einer alternden Marilyn im Pelzmantel (Esther Hausmann), deren flehentliches Locken eine resignativ-verhärmte Kehrseite offenbart, zurück im dunklen Psychiaterverlies einem unscheinbaren Mädchen; schließlich wieder im Schlafzimmer erklingen die eigenen Worte, die man am Anfang ins Telefon gesprochen hat, jetzt aus dem Mund der telefonierenden Marilyn.

Schon klar – viel zu klar: Hier geht es um einen Blick hinter die Fassade des bewunderten Stars, um die neurotischen Züge des ungewollten Kindes, das ewig nach Aufmerksamkeit heischt – und ungeachtet des allüberragenden Erfolgs unglücklich gewesen ist. Nun ist auch diese Seite der Rezeption weidlich strapaziert und mit Klischees behaftet. Wenn das Ansinnen das einer Satire darauf gewesen sein sollte, ließe sich noch ein gewisses Gelingen bescheinigen. Es ist den Urhebern aber wohlwollend zu unterstellen, dass es ihnen um etwas anderes gegangen sein muss. Bloß was? Ein gedankliches Kraftzentrum hinter dem ganzen Brimborium ist nicht zu spüren.

Quelle: op-online.de

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