Hinterland, von Zwergen bevölkert

Leyla, Liebesbrand, Hinterland: Aneinandergereiht haben Feridun Zaimoglus Buchtitel regelrecht lyrische Qualität. Hochpoetisch ist die Prosa des deutschen Schriftstellers türkischer Herkunft sowieso. Den Beweis tritt der 44-Jährige in der Frankfurter Romanfabrik an, wo er sein neues Werk vorgestellt hat. Von Markus Therharn

„Hinterland“ führt in ein Land hinter der Wirklichkeit, das wird rasch deutlich. Zaimoglu vollbringt das stilistische Kunststück, mit dem denkbar banalsten Satz, „Ihr Mann hatte sie wegen einer Jüngeren verlassen“, einzusteigen und diese Frau gleich darauf von „Mitternachtsverzweiflung“ befallen zu lassen. Dass dabei reichlich Alkohol im Spiel ist, hilft beim Verständnis der folgenden Ereignisse. Denn der Autor, mit äußerst angenehmer Stimme gesegnet, gehört nicht zu denen, die den Lesefluss durch Erläuterungen unterbrechen.

So lässt sich das Auditorium hineinziehen in eine Welt voller Zwerge und Ritter, mit Tausendgüldenkraut und Hexenbesen. Vordergründig ist es die Geschichte eines Paars, das sich an sieben verschiedenen Orten begegnet, zu Beginn in Prag. Immer wieder gleitet die Erzählung von dem deutsch-türkischen Schuhmacher Ferda und der tschechischen Komponistentochter Aneschka indes ins Märchenhafte ab. Auch Literatur der Romantik liegt nahe.

Zur Klärung trägt Zaimoglus anschließendes Gespräch mit dem Hausherrn Michael Hohmann bei: „Man könnte sagen, sie fantasiert das nur.“ Habe die Frau doch, modern gesprochen, ein Trauma erlitten. Aber jenes abgedroschene „Du findest einen neuen Mann“ ist seine Sache nicht. So hat dieser Schreiber, der sogar frei redend den Dichter nicht verleugnen kann, zwar einen tief melancholischen Text vorgelegt. Doch das Publikum freut sich über seinen Hinweis, er sei vom Wunsch getrieben gewesen, „ein gutes Ende zu finden“ ...

Quelle: op-online.de

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