Münster

Mit Hippies und asiatischen Tänzerinnen

Den Auftakt zur „Minsterer Fassenacht“ machte am Samstagabend der Männergesangverein (MGV) mit seiner beliebten Fastnachtssitzung. Die ausverkaufte Kulturhalle bebte bereits beim Einzug des Elferrates unter musikalischer Begleitung der „Happy Sound Combo“.

Münster (ej) -  Durch den Abend moderierte Sitzungspräsident Edgar Kreher, der den wegen einer Erkältung stimmlosen Amtsinhaber Werner Ellermann vertrat. Der 1. Vorsitzende des MGV zeigte aber trotz gesundheitlicher Beeinträchtigung, was ein richtiger Fastnachter ist: Er verfolgte das Geschehen auf der Bühne inmitten der MGV-Fastnachts-Fans. Etwas fürs Auge bot gleich zu Beginn das Gardeballett des RC 03 Worfelden: In raffinierten Trikots schwangen acht junge Frauen zu flotter Musik die Tanzbeine in schwindelerregende Höhen. Das Protokoll übernahm in diesem Jahr, um ihren Vater zu schonen, Tochter Angelika Ellermann. Darin ließ sie sich über Ereignisse des vergangenen Jahres in der Welt und zu Hause aus: Von Olympia und Fußball bis hin zur Wahl des Präsidenten in den USA und die des Bürgermeisters in Münster. In der gesanglichen Einlage verbildlichte Ellermann die widersprüchliche Lage im Einzelhandel in Münster: Am Kerbplatz stehen die Geschäfte leer, aber zwischen Münster und „Dibborsch“ wird ein neues Einkaufszentrum gebaut. Nach so vielen Denkanstößen war es Zeit für den musikalischen Auftritt des Kinderchors des MGV unter der Leitung von Theresia Uglik. Kostümiert als „Hippies“ sangen die kleinen Fastnachter Stücke aus dem Abba-Musical „Mama Mia“. Einen Höhepunkt an diesem Abend bildete die Darbietung von Lothar Pistauer. Das für seine herausragenden komödiantischen Vorträge über Münsters Grenzen hinaus bekannte Original zeigte mit vollem Körpereinsatz, was „ein Soldat fürs Vaterland“ leisten muss. Mit gequälter Stimme in tiefster Münsterer Mundart jammerte Pistauer über seine misslungenen Versuche beim Bund ausgemustert zu werden: „Mer wollde uns drigge, des dud uns net glicke.“ Bei einer „geliehenen“ Urinprobe von einer Zuckerkranken kommt heraus, dass er schwanger ist. Ein weiterer Versuch: Pistauer stellt sich blind, wird ausgemustert und trifft dann im Kino den Stabsarzt. Schnell mimt er wieder den Blinden, der den Arzt fragt: „Gnädische Fraa, bin isch hieer rischtisch im Bus daherinne?“ Nur Bürgermeister „Blanko“ wird ausgemustert, nachdem er einen Trick von Pistauer verraten bekommen hat: Die Zähne müssen raus. „Walder saacht: Schlach` zu und die Zähne flogen herum im Nu.“ Nach der Musterung fragt Pistauer: „Na, hat’s geklappt?“ Und „Blanko“ antwortet ohne Zähne: „Untauglich bin ich, weil ich Plattfüße hab“. Einigen Fastnachtern in der Kulturhalle liefen die Tränen vor Lachen über die Backen und am Ende erntete Pistauer für den gelungenen Auftritt tobenden Applaus und stehende Ovationen. Die MGV Jungsänger unter der Leitung von Norbert Müller ließen im Anschluss mit ihren gesanglichen Darbietungen die Stimmung nicht abflauen. Sie hatten sich das Casting-Fieber zum Thema gemacht. Bei „Münster such den Super-Star“ brachte „Resi“ Uglik als Dieter Bohlen das Publikum zum Schmunzeln. Abgelöst wurde die Gruppe vom MGV-Vorsitzenden Klaus Günther, der als „Morgenmuffel“ in die Bütt stieg. Nach einem Showtanz waren Lutz Murmann und Klaus Müller „die verspäteten Sitzungsgäste“. Als ältere Damen klagten sie ihr Leid über die Schwierigkeiten des Alters und ernteten viele Lacher bei Witzen wie wenn die „Apotheken Rundschau“ zur „BRAVO“ für Senioren wird. Die Playback-Show „Traumschiff“ war von Waltraud und Hubert Schadt sowie Doris Ottenritter opulent in Szene gesetzt worden und begeisterte mit Figuren wie den „Figaro“ oder „Captain Jack Sparrow“ das Publikum. Nach der Pause stellten die Auftritte des Männerballetts als asiatische „Schönheiten“, die Büttenrede von Waltraud Löbig über ein „Jahrgangstreffen“ und der Gesangsvortrag „Die Hermandos“ weitere Sitzungshöhepunkte dar.

65 MGV-Fastnachter zeigten auf der närrischen Bühne ihr Können. „Mit den Proben haben die Gruppen bereits im Herbst 2008 begonnen“, sagte Werner Irmer vom Wirtschaftsausschuss. Mindestens ebenso viele Mitglieder waren nach Irmer hinter den Kulissen aktiv, um für einen reibungslosen Ablauf zu sorgen. Der Aufwand hat sich gelohnt: Ein volles Haus und begeisterte Zuschauer konnte der MGV Münster auch in dieser Saison verzeichnen.

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