Darmstädter Ausstellung „Glanz einer Epoche“ versammelt kostbaren Jugendstilschmuck

Hochkarätiges Geschmeide

Ein Fest für das Auge ist auch René Jules Laliques Brosche „Schlangenblüte“, die um 1899 entstand, fein gearbeitet aus Gold sowie Fenster- und Transluzidemail © VG Bild-Kunst, Bonn 2011

Darmstadt - . René Lalique, Georges Fouquet, Carl Fabergé – solch wohlklingende Goldschmiede-Namen zergehen Jugendstil-Liebhabern auf der Zunge. Sie stehen für den Glanz einer Epoche, die sich ab 1900 mit Schönheit umgeben und das Leben zum Gesamtkunstwerk machen wollte. Von Reinhold Gries

In wiederhergestellten Olbrich-Räumen des Museums Künstlerkolonie Mathildenhöhe ist das erstmals an 150 Schmuck-Preziosen aus vielen Ländern Europas zu bestaunen. Über 70 davon, auch die hochkarätige Amsterdamer Sammlung des Hofjuweliers Karel A. Citroen, stammen aus dem Landesmuseum Darmstadt, andere aus dem Frankfurter MAK, dem Schmuckmuseum Pforzheim und dem Landesmuseum Württemberg in Stuttgart.

Leitbild des Geschmeides ist M. Alexandre Lucien Coudrays schlankes „Libellenweibchen“, eine Schmucknadel aus ziseliertem Goldguss mit emaillierten Libellenflügeln, besetzt mit Brillanten, Rubinen und Smaragden. Ähnlich kostbar mit Gold, Silber, Diamanten, Brillanten, Rubinen, Saphiren und Perlen setzt die Brosche eines Unbekannten die Pariser Jugendstilikone Sarah Bernhardt in Szene. Bildschön wie luxuriös auch André-Fernand Thesmars Orchideenbrosche, Laliques Brosche „Schlangenblüte“, Fabergés Anhänger mit den zwei Störchen, Lucien Gaillards Halsschmuck „Hirschkäfer“ oder Fouquets Fuchsienbrosche. Wie solch elegante Formenwelt aus Paris und Nancy andere Metropolen beeinflusste, sieht man an Joseph Hoffmann in Wien, Arthur Jensen in Kopenhagen, Jan Eisenlöffel und Bert Nienhuis in Amsterdam, Philippe Wolfers in Brüssel oder Henry Wilson in London.

Zweiter Schwerpunkt der pittoresken Schau sind Produkte der Darmstädter Künstlerkolonie von 1899 bis 1914: Unter dem großherzoglichen Mäzen Ernst Ludwig entwickelten Peter Behrens, Rudolf Bosselt, Hans Christiansen, Ludwig Habich, Joseph Maria Olbrich und Patriz Huber einen „Darmstädter Stil“, der neben teuren Einzelstücken auf serienmäßige, bezahlbare Produktion beispielgebenden Künstlerschmucks abzielte und zu abstrakt-geometrisierenden Formen fand. Besonders mit der Pforzheimer Schmuckindustrie kam es zu vielfältiger Kooperation. Vor allem Huber brachte mit der Fa. Theodor Fahrner „Tagesschmuck“ heraus, ohne dass es seinen meist silbernen Broschen, Gürtelschließen, Knöpfen und Halsketten an (Halb-)Edelsteinen fehlt.

Hubers Kollegen fertigten Künstlerschmuck eher als i-Tüpfelchen: Von Behrens ist wenig mehr erhalten als historische Fotos, auch Paul Bürcks silberne Brosche mit Flora-Rahmung und Achaten ist Einzelstück. Opulenter wirken Christiansens emaillierte Blüten und Frauenköpfen oder ornamentale Stücke mit Perlmutteinlage. Auf der großen Jugendstilschau 1901 auf der Mathildenhöhe war auch seine herzförmige Brosche mit brillantbesetztem Chrysanthemendekor zu sehen und sein von Carl Fabergé realisierter Spiegelmedaillon-Entwurf. Für Habichs rare Produktion steht die Schmucknadel „Die schöne Lau“. Daneben wirkt Olbrichs edelsteinbesetzte, kompakt-kantige Brosche mit fünfeckigem Mittelstück und trapezförmigem Oberteil archaisch und modern zugleich.

Dass die Künstlerkolonie nach Hubers, Christiansens, Behrens’ und Bosselts Ausscheiden weiterhin guten Schmuck herausbrachte, sieht man an Vincenz Cissarz‘ silberner Gürtelschnalle, Albin Müllers Brosche mit dem Einhorn, Ernst Riegels Collier und Josef Margolds Anhänger mit Tulpendekor. Ein Fest für das Auge!

‹ „Glanz einer Epoche – Jugendstilschmuck aus Europa“ vom 21. August bis 11. Dezember im Museum Künstlerkolonie Mathildenhöhe Darmstadt. Geöffnet: Dienstag bis Sonntag 11-18 Uhr

Quelle: op-online.de

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