Vier Künstler der Region stellen im EVO-Gasturm aus

Hochkarätiges aus heimischen Ateliers

Installation von Merja Herzog-Hellstén Fotos: Bernd Georg

Welch hochkarätige Künstler die Region bieten kann, zeigt die Energieversorgung Offenbach (EVO) zum vierten Mal in einer Ausstellung in ihrem denkmalgeschützten Gasturm. Im Erdgeschoss und im ersten Stock zeigen die Malerin Nadja Milenkovic und der Konzeptkünstler Raul Gschrey ihr Werk.

Man sieht mittelgroße Leinwände, weiß grundiert, mit vielen schwarzen Strichen, ockerfarbig akzentuiert. Die Motive wirken wie aus einem Wald im Schnee entnommen, es könnten aber auch Nahaufnahmen eines Nestes sein. An der Längswand hängen Kompositionen in Grau, Grün und Gelb, darin finden sich Elemente wie eine zusammengequetschte Neonschrift, ein sich hinunterbeugender Engel – alles wirkt wie eine fließende Landschaft aus zu heiß gewordenem Wachs, ein in Form gebrachter LSD-Rausch. Die Künstlerin verwendet bedrückende Farben, übermalt sie oder löst sie mit Verdünner auf. Milenkovic beschäftigt sich mit Taktung, Rhythmus und Intervallen. Ihre Technik ist eine Mischung aus präzisem Arbeiten und impulsiven, gestischen Interventionen.

In der Mitte des Raumes formen taillenhohe Buchstaben aus Metall, deren blauer Lack abblättert, das englische Verb „SEE“. Gschrey platzierte die Buchstaben vor verschiedenen Überwachungskameras in der Stadt. Im zweiten Stockwerk installierte Gschrey etliche Bildschirme, Aufzeichnungsgeräte und Kameras. Sie sollen Interviews von Überwachenden zeigen, eine Internetseite, auf der live Überwachungsbilder aus dem Frankfurter Stadtraum zu sehen sind und weitere Arbeiten zu seinem Thema. Leider sind sie nicht eingeschaltet.

Wer die dritte Etage des Gasturms betritt, den erwarten von der Decke hängende quallenartige Objekte aus weißen Folien mit langen Tentakeln, dazwischen hängen abgeschnittene Röhren aus Gitterdraht. Auch sie bestehen aus weißen Folien, enthalten aber an den Seiten rosafarbene Scheiben, auf denen luftblasenförmige Muster kleben. Merja Herzog-Hell stén erfindet fiktive Lebensläufe, übersetzt sie in rhythmische Merkmale und entwickelt dafür Zeichen. Diese bringt sie mit Tusche und Pinsel aufs Papier und schöpft daraus ihre Formen. Der unvorbereitete Ausstellungsbesucher assoziiert Nervenzellen und rote Blutkörperchen beim Betrachten ihrer Installation, spürt aber eine Geschichte dahinter.

Im Dachgeschoss tummeln sich Inseln, Fischchen und Mäuse auf an der Wand hängenden Kissen, quietschbunt und scheinbar zum Aufblasen, denn viele der Objekte sind mit Plastikventilen versehen. In der Serie „Unruhekissen“ schuf Barbara Storck-Brundrett künstliche Welten, in denen helfende Mäuse, Rettungsfische und Orangensaftdepots Hilfe in allen Lebenslagen versprechen.

TINA OWCZAREK

P„Künstler der Region“ bis 26. Juli in der EVO-Galerie im Turm, Goethering, Offenbach. Öffnungszeiten: Montag bis Freitag von 12 bis 13 Uhr, Samstag, Sonn- und Feiertag 14 bis 18 Uhr und nach telefonischer Vereinbarung unter S 069 8060-3230

Quelle: op-online.de

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