Auf dem Höhepunkt ein Gewitter

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Susanne Serfling in der Titelpartie erntet mit ihrem expressiven Sopran den stärksten Beifall im Großen Haus des Darmstädter Staatstheaters.

Das Wasser ist stets gegenwärtig. Selten direkt sichtbar, sondern meist in changierenden Lichtspiegelungen. Nur zu Beginn des dritten Akts gießt es in John Dews Inszenierung von Leoš Janáceks Oper „Katja Kabanowa“ in Strömen.  Von Axel Zibulski

Da gipfelt das musikalische Drama innerhalb des metaphorischen Naturereignisses eines Gewitters. Katja, Frau eines Kaufmanns im Wolgastädtchen Kalinow, gesteht ihren Ehebruch. Dann stürzt sie sich in den Fluss. Ein Operntod, den Dew ganz handfest auf die Bühne des Staatstheaters Darmstadt gebracht hat. So wie seine Inszenierung, in Koproduktion mit der Oper im schwedischen Göteborg entstanden, überhaupt durchweg realistisch bleibt.

Dass Dew eine besondere Affinität zum Tschechen hat, zeigte er bereits bei seiner ersten Premiere zur Neueröffnung des renovierten Großen Hauses, als er Janáceks frühe Oper „Schicksal“ inszenierte. Nun steht die wesentlich häufiger gespielte „Katja Kabanowa“ auf dem Spielplan, nach dem Drama „Gewitter“ des Russen Alexander N. Ostrow ski komponiert und 1921 in Brünn uraufgeführt.

Fataler Ausgang

Wie so oft bei Janácek trägt die Titelfigur Züge jener Kamilla Stöslava, seiner viel jüngeren, verheirateten und überhaupt ziemlich fernen Geliebten; die Oper mit ihrer Ehebruchs-Dramatik mag der Zuschauer also nicht zuletzt als eine Art Wunschprojektion des Komponisten sehen, samt freilich fatalem Ausgang.

Bei Dew sieht man vor allem atmosphärisch glatte Bilder. Mit Kostümen, die auf die Entstehungszeit von Os trowskis Stück Mitte des 19. Jahrhunderts verweisen. Mit einer Brücke quer über die breiten Ausmaße der Bühne, auf der die Rahmenbilder des Dramas sich unaufdringlich abspielen.

Nächste Vorstellungen am 9., 16., 24. und 28. Oktober, 8. und 27. November

Und mit eindeutigen Rollenzuweisungen: Die Kabanicha, Katjas düster-dominante Schwiegermutter, trägt fülliges Schwarz: Sonja Borowski-Tudor beglaubigt sie in dämonischer vokaler Präsenz als eine Zentralfigur des Dramas. Während Susanne Serfling in der Titelpartie den stärksten Beifall für ihren nicht großen, manchmal mit eine Tendenz zur Larmoyanz verratenden, aber auch im Lyrischen expressiven Sopran erhält. Gesungen wird die tschechische Oper in der Übersetzung von Reinhold Schubert, versehen mit gleichwohl nicht entbehrlichen deutschen Übertiteln.

Dass Dew, einst Regietheater-Rebell, längst unspektakuläre szenische Erzählweisen bevorzugt, zeigt sich auch in dieser Übernahme seiner Göteborger Inszenierung. Damit bleibt „Katja Kabanowa“ ein auch zeitlich ein wenig in die Ferne gerücktes Eifersuchts-drama, eine Dreiecksgeschichte fürs Repertoire, an deren musikalischer Feinnervigkeit das vorzüglich filigran, farbenreich und exakt spielende Orchester unter Martin Lukas Meister keinen Zweifel lässt. Auch die tenoralen Zentralfiguren sind mit Norbert Schmittberg als Liebhaber Boris und Andreas Wagner als Gatte Tichon rollenadäquat bis solide besetzt.

Quelle: op-online.de

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