Höhere Weihen von Pavarotti

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Auch als Filmschauspielerin würde Annalisa Raspagliosi eine tolle Figur abgeben.

Aus Frankfurt ist Annalisa Raspagliosi kaum wegzudenken. So viele Rollen hat die international gefragte Sopranistin verkörpert, seit sieben Jahren regelmäßig an der Oper zu Gast. Von Klaus Ackermann

Jetzt kehrt die von Tenorissimo Luciano Pavarotti geadelte Sängerin in den Einaktern „L’oracolo“ von Franco Leoni und „Le Villi“ von Giacomo Puccini zurück. Inszeniert hat Sandra Leupold in der Ausstattung von Heike Scheele, für den von ihr bebilderten Bayreuther „Parsifal“ zur „Bühnenbildnerin des Jahres“ gekürt. Die musikalische Leitung hat Stefan Solyom, seit 1. September Generalmusikdirektor in Weimar. Premiere ist am Sonntag, 18 Uhr, im Opernhaus am Willy-Brandt-Platz.

Der früh verstorbene legendäre Pavarotti hat die Römerin mit dem dramatischen Sopran entdeckt, eine attraktive, selbstbewusste junge Frau, die abseits der gierigen Vermarktungsmaschinerien konsequent ihren Weg geht. In Frankfurt hat Annalisa Raspagliosi viele große Partien des italienischen Fachs gesungen. Sie schwärmt vom Publikum, das – anders als in Rom oder Mailand – offen für neue szenische Sehweisen ist.

Jetzt also die Kurzopern „L’oracolo“, ein 1905 uraufgeführter veristischer Krimi des in London lebenden Italieners Leoni, und „Le Villi“, in der Puccini Rachegeister aus dem Schwarzwald beschwört. In der Liebe sieht die Römerin, die ihr Rollendebüt gibt, das verbindende Element beider Stücke. Als Chinesin Ah-Joe, die in San Franciscos Chinatown ihren Liebsten verliert, der seinen Aufstieg durch eine Entführung zu beschleunigen versucht, aber scheitert.

Bei Puccini ist es die der Gesellschaft und ihrem Mann ausgelieferte Anna, die sich mit Hilfe der Willis, Geister betrogener junger Bräute, bitter rächt. Szenische Klammer ist ein modernes Fernsehstudio auf der Drehbühne, in dem traditionelle Oper gespielt wird, weiß Raspagliosi, in chinesischen Gewändern und Schwarzwälder Tracht. „Damit würde ich auf dem Münchner Oktoberfest nicht auffallen“, merkt die Sopranistin lächelnd an.

Dass Annalisa Raspagliosi einmal Sängerin werden würde, wusste sie im zarten Alter von vier Jahren. Dass es keinen umfassenderen künstlerischen Ausdruck als die Oper gibt, wurde ihr in privaten Studien in Rom klar, wo der bulgarische Weltstar des italienischen Fachs, Rajna Kabaiwanska, wichtige Weichen für ihre Karriere stellte. „Dazu bedarf es einer großen Leidenschaft fürs Theater“, betont Raspagliosi, die auch als Filmschauspielerin eine gute Figur machen würde. Natürlich gebe es Vorlieben wie die Violetta („La Traviata“), Aida oder Tosca, doch im Grunde sei ihre Lieblingsrolle die Partie, die sie gerade verkörpere.

Auf den Opernbühnen der Welt zu singen heißt reisen. In Rom und dem kleinen Ort in den Bergen, aus dem ihre Familie stammt, oder auf einer Insel tankt Raspagliosi dann Energie, treibt täglich Sport. Die Frankfurter Titus-Thermen haben es der Sopranistin angetan, die gern reitet und kocht. „Sei respektvoll im Umgang mit der Musik und achte auf deine Stimme, das wohl anfälligste Instrument.“ Das würde der Weltstar einer angehenden Sängerin ins Poesiealbum schreiben – und zitiert im selben Atemzug Pavarotti: „Eine Opern-Phrase muss man 2000 mal singen, um sie richtig in den Griff zu bekommen.“

Frankfurt hat Annalisa Raspagliosi verinnerlicht. Das zeigt ein erklärter Wunsch, „eine Party im Ebbelwoi-Express“. Große Oper und Rippchen mit Kraut – das ist ihr Ding!

Quelle: op-online.de

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