Höllische Technik-Tücken

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Bitten um Verlängerung: Christopher Krieg als Paul und Winfried Lünemann als Petrus.

Im Himmel lebt man nicht hinterm Mond. Daher gibt es auch bei Petrus und Konsorten ein modernes Computersystem. Von Astrid Biesemeier

Da aber bekanntlich alle Technik vom Teufel ist, ist sie auch im Himmel nicht frei von höllischen Tücken: Und so kann Petrus wegen eines Computerabsturzes nicht prüfen, ob das irdische Verfallsdatum von Paul tatsächlich abgelaufen ist. So springt Paul dem Tod nochmal von der Schippe und zurück in die eigenen vier Wände. Genau da allerdings will sich gerade Freund und Geschäftspartner André mit einer Geliebten einquartieren, denn André ist verheiratet und glaubte Paul unterwegs. Dumm also, dass Paul plötzlich wieder in seiner Wohnung auftaucht. Dumm auch, dass André gegenüber der Geliebten Pauls Namen angenommen hat. Für André hätte der Namenswechsel die kleine Affäre zwar erheblich entkompliziert, im Komödiengetriebe sorgt solcherlei natürlich für zusätzliche, das Publikum erheiternde Komplikationen.

So passiert, was in Unterhaltungskomödien dieser Machart passieren muss: Es begegnen sich Menschen, die sich eigentlich nicht treffen sollten unter Umständen, die besser anders wären. Tom Grasshof hat für „Im Himmel ist kein Zimmer frei“ in der Frankfurter Komödie ein gediegenes Wohnzimmer geschaffen. Von hier aus huschen alle durch die unabdingbaren Türen, Ein- oder Durchgänge, verpassen oder kreuzen sich, produzieren Verwirrungen, Missverständnisse, Anzügliches und natürlich gehörnte Ehemänner und Ehefrauen.

Allzu häufig findet man die Stücke des bereits 1989 verstorbenen Autors Jean Stuart nicht mehr auf deutschen Spielplänen, auch wenn er in den 80ern einen gewissen Erfolg hatte. Etwas brav nehmen sich seine Stücke aus. Und wenngleich Stuart hier den Himmel in Bewegung setzt, erreicht er nicht die hohe Drehzahl der Stücke seines Landmanns Georges Feydeau, der seinen Figuren das Leben kurzzeitig zur Hölle macht. Wo der Boulevardvirtuose und Komödientüftler Feydeau trotz eines scheinbaren Happy-Ends eine letztlich verkommene Gesellschaft zurücklässt, ringt Stuart geradezu um Moral.

Zu sehen ist das Stück in der Komödie noch bis zum 28. Juni.

Regisseur Pavel Fieber bedient das in seiner Inszenierung. Zwar gelingt es Stephan Schleberger, der den Bonvivant und Ehebrecher spielt, überzeugend auch die Boshaftigkeit seines André durchblitzen zu lassen. Um einiges weniger facettenreich erscheint leider Paul Serval (Christopher Krieg), den man sich als zeitweiligen Spielball der anderen etwas verzweifelter und argloser vorstellen könnte. Andererseits aber auch schelmischer, verfolgt er doch schließlich eigene Pläne und ist sicher nicht ganz grundlos unverheiratet. Susanne Huber hätte ihrer betrogenen Ehefrau Irène durchaus ein paar Töne mehr auf der Klaviatur zwischen Biederkeit und Biest entlocken können. Etwas eindimensional wirkt Arzu Ermen, die in kürzer und durchsichtiger werdenden Kleidchen die letztlich gar nicht so einfältige Geliebte Sophie spielt. Insgesamt hätten Regie und Schauspieler trotz des Komödienstoffs durchaus tiefer bohren können. So ist „Im Himmel ist kein Zimmer frei“ kein himmlisches aber durchaus kurzweiliges irdisches Vergnügen geworden.

Quelle: op-online.de

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