Hölzerner Rohstoff inspiriert Buchkunst

Auf dem „Holzweg“ ist der Kunstfreund gar nicht beim Besuch des Klingspormuseums, obwohl sich bei der Ausstellung „Holz. Werke aus der Sammlung“ alles um das organische Material dreht, das die Kunst aller Epochen inspirierte und herausforderte. Auch in Typografie und Schriftkunst spielt Holz eine größere Rolle als angenommen. So hatte Offenbachs berühmte Schriftgießerei Gebr.

Klingspor auch eine Abteilung, die Großformen von Eckmanns Jugendstilschrift und Behrens-Antiqua aus Holzlettern schnitzte.

Passend zum 75. Todestag Rudolf Kochs lebt die goldene Zeit seiner bekannten Offenbacher Schreibwerkstatt an den Technischen Lehranstalten (heute HfG) wieder auf. Neben Kochs berühmtem „Blumenbuch“, für den Insel-Verlag in Holz geschnitten von Fritz Kredel, 1929 gedruckt von der Mainzer Presse und handkoloriert von Emil Wöllner, liegt ein originaler Holzstock.

Dass Koch ein vielseitig orientierter, expressiver Künstler war, beweisen seine ganzseitig bearbeiteten Holzplatten zum Lukasevangelium und die 1919/20 entstandenen Blockbücher aus der Reihe „Rudolfinische Drucke“, wie der „Elia“ gedruckt bei Wilhelm Gerstung in Offenbach. Liebe zum Detail verrät die großformatige Deutschlandkarte des Insel-Verlags, von Koch 1925-34 mit Fritz Kredel und Berthold Wolpe geschaffen. 1934-37 entstanden Kredels „Kleines Buch der Vögel und Nester“ und Willi Harwerths „Kräuterbuch“, „Pilzbuch“ und „Baumbuch“ – auch Kredels „Stammbaum der Schrift“ für die Bauersche Gießerei Frankfurt.

Moderne Gegenstücke bilden Frans Masereels Holzschnitt-„Stundenbuch“ aus den 20ern, Ernst Ludwig Kirchners expressive Holzschnitte zu Georg Heyms Gedichtband „Umbrae vitae“ (1924) und Ernst Barlachs Holzschnitte zu seinem dramatischen Spiel „Der Findling“ (1922). Nach NS-Diktatur und Weltkrieg knüpfen HAP Grieshabers großartig figurierte Farbholzschnitte „Baumblüte“ (1963) an Expressionismus-Tradition an.

Parallel zur demokratischen Entwicklung befreit sich die Kunst. Gespenstisch eindrucksvoll ist dabei Herbert Gutschs in Holz geschnittenes Mensch-Tierwesen Gregor Samsa aus Franz Kafkas „Die Verwandlung“, meisterhaft Johannes Strugallas Holzschnitt-Leporello zu Peter Huchels „Mnemosyne“ aus den 80ern und dessen Typografie zu Erichs Frieds „Warnung“.

Nuancenreich und hochkarätig ist das Spektrum der Klingsporschen „Holz-Sammlung“, von der gekerbten Sake-Reklametafel aus Japan (1912) bis zu Hans Schmidts pinkfarbenen Holzwürfeln „Nackt“ (2007) und Ottfried Zielkes süffisant bemalter „Lubok“-Kassette Marke Ost (2005). Wer will beim Betrachten von Peter Heckwolfs Rindenhochdrucken zu verzweigten Gängen der Borkenkäfer und Buchdrucker (!) noch von Schädlingen reden? REINHOLD GRIES

„Holz. Werke aus der Sammlung“ bis 31. März im Klingspormuseum Offenbach. Öffnungszeiten: Dienstag, Donnerstag und Freitag von 10 bis 17 Uhr, Mittwoch von 14 bis 19 Uhr, Samstag und Sonntag von 11 bis 16 Uhr.

Quelle: op-online.de

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