Hanauer Brüder-Grimm-Märchenfestspiele mit Musical „Dornröschen“ eröffnet

Hölzernes aus dem Theaterbaukasten

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Lichtblick in einer ansonsten wenig überzeugenden „Dornröschen“-Inszenierung sind die Feen Barbara Bach, Hartmut Schröder und Martina Stach.

Effie, die beleibte Fee, ist der Star und Publikumsliebling. Weil sie so köstlich mit ihrem Übergewicht hadert, für rosarote Kleidchen schwärmt und in einem furiosen Solo davon träumt, „einmal Prinzessin zu sein“. Von Christian Spindler

Effie ist ein Mann und so was wie der Rettungsring des Musicals „Dornröschen“, mit dem die Brüder-Grimm-Märchenfestspiele im Hanauer Amphitheater eröffnet wurden. Ohne Effie (Hartmut Schröder) und die Mit-Feen (Barbara Bach und Martina Stach) wäre das Stück wohl baden gegangen. Die erste von vier Festspiel-Inszenierungen, für die Wolfgang Adenberg, einer der erfolgreichsten Musicalautoren Deutschlands („We will rock you“), mit Komponist Alexander S. Bermange das Libretto geschrieben hat, bleibt hinter den Erwartungen zurück.

Hölzern und spannungsarm plätschert vor allem der erste Teil des bekannten Grimm-Märchens um die Prinzessin dahin, die mit einem Fluch belegt wird und nach einem Spindel-Stich in 100-jährigen Schlaf fällt. Die wenigen dramatischen Szenen im zweiten Part, wenn etwa der Prinz mit der böse Fee Serafina (Ico Banayga) kämpft, irrlichtern in einer wenig überzeugenden Inszenierung. Dass der Urenkel des Prinzen Finnian, der einstige Geliebte Dornröschens, nach 100 Jahren Prinzessinnenschlaf am Ende an Stelle des Urgroßvaters im Liebesglück mit Dornröschen vereint ist, mutet wie ein misslungener Kunstgriff an. Und manche Charaktere wie Generals Polonius (Pierre Humphrey) sind schlicht platt gezeichnet.

Den zehn Darstellern mag man dabei den geringsten Vorwurf machen. Dass Dornröschen (Catrin Omlohr) und etliche andere Figuren blass bleiben, ist eher Buch und Regie (Marc Urquhart) geschuldet. Jan Schuba etwa, der in früheren Festspielproduktionen glänzte, muss anfangs einen unnötig albernen Junker Jonas geben und darf erst gegen Ende zeigen, welches Potenzial er besitzt. Und auch in anderen Akteuren, die gesanglich durchaus zu überzeugen wissen, steckt schauspielerisch mehr, als diese Inszenierung von ihnen abruft.

Komponist Alexander S. Bermange, der dem Festspielpublikum in den vergangenen Jahren viele schöne Musicalmelodien beschert hat, ist mit den 15 Dornröschen-Songs diesmal nicht der große Wurf gelungen. Lyrische Momente wie beim Solo des Prinzen (Raphael Schröder) wollen sich kaum einstellen. Mitreißendes gelingt dann, wenn Bermange den 60er-Jahre-Hit „Baby Love“ der Supremes adaptiert und Hartmut Schröder sowie seine Co-Feen als Soul Sisters in ihren herrlichen Kostümen – ein Markenzeichen der Hanauer Festspiele – das Märchenland zum Klatschen bringen.

„Dornröschen“ wirkt zusammengesetzt wie aus dem Theaterbaukasten. Ins Fach der Choreografie haben die Musicalmacher kaum gegriffen. Und einen wahrhaft funkelnden Stein haben sie nur mit den Feen herausgeholt.

Für die drei anderen Inszenierungen der Brüder-Grimm-Märchenfestspiele, die im vergangenen Jahr 84 000 Zuschauer hatten, ist da noch reichlich Luft nach oben.

Quelle: op-online.de

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