Auf dem Weg der Hoffnung

1958 gründete der damals 27-jährige Tänzer und Choreograf Alvin Ailey in New York sein American Dance Theater. In einer Zeit, bevor die Bürgerrechtsbewegung in den Sechziger Jahren viel für eine Gleichberechtigung der schwarzen Bevölkerung zu bewirken vermochte, gab es nur wenige Auftrittsmöglichkeiten für afroamerikanische Tänzerinnen und Tänzer. Von Stefan Michalzik

Ailey war 1931 als Sohn einer Baumwollpflückerin in der texanischen Provinz geboren worden. Nach einer Ausbildung bei Lester Morton in Los Angeles, einem der Pioniere des Modern Dance, kam er 1954 in New York erstmals mit den Arbeiten von Martha Graham in Berührung. Beide Choreografen sollten für seine eigene Tanzästhetik prägend werden.

Aileys Ansinnen ist es gewesen, den Modern Dance mit der afroamerikanischen Tradition übereinzubringen. Zur Abstraktion der Avantgarde blieb er zeitlebens auf Distanz. Nach seinem Tod im Dezember 1989 hat die Starsolistin Judith Jamison die Compagnie in Aileys Geist weitergeführt und auch für weiße Tänzer geöffnet.

Nicht die großen Brüche, sondern hohes Maß an Kontinuität

Matthew Rushing, (Foto) der nach einer Ausbildung am hauseigenen American Dance Center seit Anfang der Neunziger Jahre zunächst als Tänzer und heute als Ballettmeister zur Compagnie gehört, beschrieb die Entwicklung des Alvin Ailey American Dance Theater bei einem Gespräch in der Frankfurter Alten Oper als evolutionär. Es sind nicht die großen Brüche, die sich an den Arbeiten des umfänglichen Repertoires über die Jahrzehnte hinweg ablesen lassen, sondern ein hohes Maß an Kontinuität, so unterschiedlich die Handschriften der Choreografen und der Charakter der Stücke auch sein mögen.

Vielseitig müsse man als Mitglied der Alvin-Ailey-Compagnie sein, sagt Matthew Rushing, und stark in der Technik. Trainiert wird nicht nur im Modern Dance, sondern in allen Techniken, auch in der Ballettklassik und im Jazztanz. Die Individualität des Tänzers sei stark gefordert.

Obschon die Stücke aus der Erfahrungswelt der Afroamerikaner heraus entstanden sind, vermochte sich die Compagnie auch in Europa ein großes Publikum zu erobern. Das führt Rushing darauf zurück, dass Erfahrungen wie Freude und Angst, Unterdrückung und Kampf über die Grenzen der Länder und Ethnien hinweg von jedem nachzuvollziehen seien. Alvin Aileys programmatischer Anspruch, Kunst und Unterhaltung übereinzubringen, prägt nach wie vor das Schaffen der Compagnie. In diesem Sinne ist sie eine typisch amerikanische.

Religiöse Erfahrungen in der Welt der Südstaaten

Bei dem Programm, das in Frankfurt gespielt wird, handelt es sich um einen gemischten Ballettabend mit vier Stücken. Alvin Aileys Ballettklassiker „Revelations“ von 1960 handelt in drei Bildern von den religiösen Erfahrungen eines Paares in der Welt der Südstaaten. „Love Stories“, das jüngste Stück, hat Judith Jamison 2004 in Zusammenarbeit mit ihrem designierten Nachfolger Robert Battle und dem vom HipHop geprägten Choreografen Rennie Harris entwickelt; es werden Songs von Stevie Wonder verwendet. Robert Battles „The Hunt“ von 2001 ist vom Kampfsport beeinflusst und vereint lauf Matthew Rushing die Stimmung eines Rugbyspiels mit der eines Rockkonzerts. „Takademie“ von 1999, gleichfalls ein kurzes Stück von Robert Battle, kann als Solo für einen Tänzer oder eine Tänzerin, ebenso als Trio für Männer getanzt werden. Die Musik des Abends stammt, wie auf den Gastspielreisen der Alvin-Ailey-Compagnie üblich, aus der Konserve.

Vom 16. bis 21. August in der Alten Oper Frankfurt. Karten: Tel.: 069/1340400.

1958 wurden die Schwarzen in der US- Gesellschaft noch als Menschen zweiter Klasse behandelt, sie mussten in den Bussen die hinteren Plätze einnehmen und durften nicht die selben Schulen und Restaurants wie die Weißen besuchen. Heute ist Barack Obama Präsident. In dieser Entwicklung sieht Matthew Rushing eine Bestätigung für den Weg der Hoffnung, den das Alvin Ailey American Dance Theater eingeschlagen habe. Es sei Aileys Verdienst, den Schwarzen frühzeitig eine Stimme gegeben zu haben.

Quelle: op-online.de

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