„West Side Story“ in der Alten Oper

Hoffnungslose Liebe im Bandenkrieg

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Zündet auch nach über 56 Jahren: Szene aus der „West Side Story“.

Frankfurt - „Irgendwo“ gibt es einen Platz für sie, hoffen Maria und Tony, obwohl ihre Liebe eigentlich eine Unmöglichkeit ist. Deshalb wartet auf diese Liaison auch kein Happyend, sondern nur der Tod. Von Christian Riethmüller

Doch wenn die beiden gemeinsam ihr Lied „Somewhere“ anstimmen, ist das tragische Ende, um das der Beobachter ja weiß, plötzlich weit weg und der „friedvolle und ruhige Ort“ vielleicht doch mehr als nur ein Traum.

„Somewhere“ ist nur eine von einem Dutzend unsterblicher Melodien, die Leonard Bernstein für den Broadway-Klassiker schlechthin, die „West Side Story“, geschrieben hat. Doch es ist nicht allein die Kraft der in den kulturellen Kanon des 20. Jahrhunderts eingegangenen Musik, die das am 26. September 1957 am Winter Garden Theater in New York uraufgeführte Musical ewig jung zu halten scheint. Auch das Buch von Arthur Laurents und die Songtexte von Stephen Sondheim, die das Shakespeare’sche Romeo-und-Julia-Thema vor dem Hintergrund jugendlicher Bandenkriege in New York variieren, erscheinen aktuell wie eh und je. Mögen sich die Banden auch nicht mehr „Jets“ oder „Sharks“ nennen, an die Gurgel gehen sie sich weiterhin, ob nun in New York, Paris, London oder auch im Rhein-Main-Gebiet.

Mehr Informationen gibt es im Internet.

Die latente Gewaltbereitschaft und die überschüssige Energie der aus weißen Amerikanern zusammengesetzten „Jets“ und zu den „Sharks“ zusammengeschlossenen Einwanderer aus Puerto Rico hat der Choreograf und „West Side Story“-Erfinder Jerome Robbins in zeitlosen Tanzszenen eingefangen, die heute noch begeistern. Der amerikanische Regisseur und Choreograf Joey McKneely hat noch mit dem 1998 gestorbenen Robbins gearbeitet und ist vermutlich auch deshalb einer der ganz wenigen Regisseure auf der Welt, die die von einem strengen Rechtekatalog geschützte „West Side Story“ in Originalversion mit den Originalchoreografien von Jerome Robbins inszenieren darf.

Immer neue Künstler: Darsteller, Sänger und Tänzer

McKneely war auch schon vor zehn Jahren als Regisseur dabei, als die in New York zusammengestellte, aber für den internationalen Markt bestimmte Musical-Produktion erstmals in Deutschland - darunter auch in der Alten Oper Frankfurt - aufgeführt wurde. Überdrüssig ist er des Stücks nie geworden, sagt er, was auch der regelmäßigen Arbeit mit immer neuen Künstlern geschuldet sei, die in der „West Side Story“ dreifach gefordert sind: als Darsteller, Sänger und Tänzer.

Bei den Tanzszenen sieht McKneely die größten Veränderungen im Vergleich zu früheren Inszenierungen und auch zur legendären, mit zehn „Oscars“ ausgezeichneten Verfilmung aus dem Jahr 1961. „Die heutigen Darsteller haben mehr Kraft und springen deshalb höher“, hat er eine Erklärung für die besondere Intensität der Choreografien, die im scharfen Kontrast zur bittersüßen Liebesgeschichte von Tony und Maria stehen. Die beiden haben übrigens einen Platz für sich und ihre traurige Geschichte gefunden - es sind die Bühnen dieser Welt.

Die „West Side Story“ ist von 19. Dezember bis 11. Januar in der Alten Oper Frankfurt zu sehen. Beginn jeweils um 20 Uhr, an Silvester um 19.30 Uhr. Zusätzliche Aufführungen samstags und sonntags um 15 Uhr. Keine Vorstellung an Heiligabend.

Quelle: op-online.de

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