Das Papageno Musiktheater zeigt Puccinis „La Bohème“

Hoffnungslose Liebe im Quartier Latin

Frankfurt - Rodolfo träumt vom Schriftstellerleben, Marcello wäre gern ein großer Maler. Die Freunde sitzen aber bettelarm in einer eiskalten Dachkammer in Paris, sehnen sich nach Brennzeug, Ruhm und Liebe und leeren eine Flasche Wein nach der anderen. Von Christina Lenz

Giacomo Puccinis beliebteste, 1896 in Turin uraufgeführte Oper „La Bohème“ wird im Papageno Musiktheater am Palmengarten „nach Art des Hauses“ serviert. Die Kammeroperfassung mit deutscher Übersetzung versetzt den Zuschauer in ein romantisch-schneebedecktes Paris der Jahrhundertwende.

Die Künstlerfreunde feiern den Weihnachtsabend prassend in einem Café im Quartier Latin. Geld haben sie zwar keines, aber dafür auch keine Skrupel die Zeche zu prellen. Noch zu Hause trifft der sensible Rodolfo auf seine todkranke Nachbarin Mimi. Die Eingangsarien, in denen sich Rodolfo (Martin Kellenbenz) und Mimi (Fabienne Grüning) keck und zugleich schüchtern einander annähern, gehören zu den Höhepunkten dieser Oper – auch im Papageno Musiktheater.

Eher romantisch als wild

Die Aufführung überzeugt eher an den romantischen als an den wilden Stellen. Das Versöhnungsduett des zwischenzeitlich getrennten Paares berührt das Herz ebenso wie die dramatische Schlussszene an Mimis Sterbebett. Eine der bekanntesten Arien der Oper, die „Quando m’en vò“, gesungen von der mit Marcello liierten, attraktiv-lasziven Musetta, verliert allerdings durch das allzu kitschige Rüschenkleid inmitten der historisch-getreuen Ausstattung etwas an Anziehungskraft.

Der Versuch einer Aktualisierung des Stoffes bleibt in der Frankfurter Inszenierung aus. Auch Puccini, berüchtigt für sein ausschweifendes Leben, seinen Hang zur Jagd und zu erotischen Abenteuern, ist in seinen Werken keine großen Wagnisse eingegangen. Während Zeitgenossen wie Schönberg oder Strawinsky die Tonalität infrage stellten, fütterte er sein Publikum weiterhin mit Melodien fürs Herz. Verschiedene Inszenierungen haben allerdings gezeigt, dass sich der Stoff auch in zeitgemäße Milieus versetzen lässt. Die Bohèmiens im Papageno Musiktheater in ihren rosa Spitzenhäubchen und steifen Zylinderhüten schwirren aber eher wie die Geister unserer Groß- und Urgroßeltern über die Bühne. Schön anzusehen und zu hören ist das aber trotzdem.

Weitere Aufführungen am 12. Oktober, 9. und 16. November sowie am 26. Dezember

Quelle: op-online.de

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