Humor mit anarchischem Geist

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Helge Schneiders neues Programm „Komm hier haste ne Mark!“ ist in der Alten Oper Frankfurt zu sehen.

Frankfurt - Rosenmontag. Verkleidet sind aber nur Vereinzelte. Obgleich hier wie da gern gelacht wird, ist die Deckungsmenge zwischen dem Publikum und den Anhängern des Karnevals offenkundig verschwindend klein. Von Stefan Michalzik

Seit beinahe zwanzig Jahren ist der unikathafte Komiker beständig erfolgreich. Auch zum Gastspiel mit seinem neuen Programm „Komm hier haste ne Mark!“ ist der Große Saal der Frankfurter Alten Oper wieder bestens gefüllt. Dabei war es anfänglich alles andere als ausgemacht, dass ein großes Publikum an seinem ausgefallenen Humor Gefallen finden würde. Ein Loriot war britisch-gediegen, Otto Waalkes brav und lieb. Schneider hat den Humor mit anarchischem Geist beseelt. Inzwischen sind die Auftritte ein Spiel mit etlichen Konstanten. So begegnen wir dem unterjochten Teebutler Bodo, der zottelige angebliche Russe Sergej Gleithmann rollt seine Gymnastikmatte für aberwitzige Übungen aus. Auch die Musiker sind zum Teil alteingesessen, allen voran Schlagzeuger Pete York, der wie immer ein ausgefuchstes Solo hinlegen darf.

Bekannt ist auch der schwarz gefärbte Spott über das Alter der Musiker. Schneider parodiert Maffay und macht sich über dessen Größe lustig. Der greise Johannes Heesters ist wiederum ein dankbares Opfer. Den Dialog mit Udo Lindenberg führt Schneider mit reaktivierter „Helge“-Fistel- und Zischelstimme und gibt mit Affen-Handpuppe den Bauchredner. Er traktiert so grotesk wie musikalisch gekonnt eine Reihe von Instrumenten, eingebunden in locker entspanntes Entertainment auf Swing-Fundament.

Man kennt das alles, doch gelingt es Schneider immer wieder über die vertrauten Motive zu improvisieren. Wie ein Jazzmusiker, der er ja eigentlich auch ist. Dieses Programm ist nicht sein stärkstes. Ein nicht ganz so starker Abend mit Schneider aber ist immer noch sehenswerter als der stärkste von manch anderem, der sich in Deutschland am Humor versucht.

Quelle: op-online.de

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