Hund und Herrchen

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Ohne Töle Toutou ist die Ehe von Zoé (Gabriele Köstler) und Alex (Jörg Pleva) auf den Hund gekommen.

Schon mal einen Hund verloren? Alex ist das passiert. Mit Leine, aber ohne Mischling am anderen Ende kehrt er vom Abendspaziergang zurück. Und ist die Ruhe selbst. Seine Frau Zoé reagiert dagegen fassungslos.  Von Markus Terharn

Aber der verschwundene Vierbeiner ist nicht das einzige, was diesen Eheleuten fehlt. Gut, dass sie drüber reden können, jetzt, da Toutou weg ist.„Toutou“ heißt das Stück der Franzosen Daniel Besse und Agnès Tutenuit, mit dem das Fritz-Rémond-Theater am Frankfurter Zoo die Spielzeit eröffnet. Vordergründig ist es eine Komödie für Leute, die Hunde lieben. Oder für solche, die Hunde hassen. Beides funktioniert gleich gut, da auch die Haltung der Figuren zum besten Freund des Menschen nicht eindeutig ist.

Hintergründig ist es die Zustandsbeschreibung eines in die Jahre gekommenen Paargefüges. Der Zuschauer ahnt früh, dass er den Titelhelden nie zu Gesicht bekommen wird; auch das Programmheft verrät es. Spannend bleibt gleichwohl die Frage, ob Alex und Noé ihren langjährigen Liebling wiedersehen werden. Vor allem aber, ob sie sich noch etwas zu sagen haben, nachdem sie bestimmte Dinge angesprochen haben.

Den unsichtbaren Hund benutzen die Autoren als Angelpunkt, um die Beziehung der Protagonisten auszuhebeln. Da treten die Meinungsverschiedenheiten bald zutage. Ist Toutou nun grau oder goldfarben? Man einigt sich auf graugold.

Weitere Vorstellungen bis 18. Oktober

Aber wer trägt die Schuld daran, dass er ausgebüxt ist? Mit Selbst- und gegenseitigen Vorwürfen sind Herrchen und Frauchen rasch bei der Hand. Sohn Leo, gelegentlich per Telefon aus New York in Paris zugeschaltet, kommt nicht ungeschoren davon. Auch nicht die ominöse Nachbarin, mit der Alex regelmäßig beim Gassigehen plaudert. Wirklich nur plaudert? Und erst recht nicht der treue Freund Pavel, erfolgreicher Architekt, der, zurück aus Rom, unverhofft ins Haus platzt, weil er nicht mehr in seine Wohnung kann oder will.

Waren wir zu nett zu Toutou?

Waren wir immer nett zu Toutou? Hätten wir ihm mal was anderes zu fressen geben sollen als seine Kroketten? Es sind eigentlich nicht die Themen, um die es geht. Doch der Text ist subtil genug gebaut, um – nach einiger Anlaufzeit – die wahren Probleme durchscheinen zu lassen. Für Tiefgang reicht das nicht, doch wartet Regisseur Rüdiger Hentzschel mit stimmiger Personenführung auf. Und er hat ein Schauspieler-Trio, das prima harmoniert.

TV-Star Jörg Pleva glänzt als Alex mit augenzwinkerndem Humor, setzt seine Stimme geschickt ein, tut nur das Nötigste. In wirkungsvollem Kontrast dazu steht Gabriele Köstler als Zoé, mit allen Anzeichen der Aufregung an der Grenze zur Hysterie, Meisterin der spitzen Töne. Stephan Schleberger ist der perfekte Spiegel, ein nüchterner Ingenieur mit trockenem Witz, gelegentlich verzweifelnd. In Bettina Neuhaus’ schickem Bühnenbild und Britta Krucks häuslichen Kostümen sind sie Wesen aus Fleisch und Blut in einem Werk, das durchaus mehr Fleisch vertragen hätte. Und etwas Blut ...

Quelle: op-online.de

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