Hybris eines Mozart-Sängers

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Harald Schmidt

Köln - Harald Schmidt (54) mal anders: Der Unterhalter geht mit einem Mozart-Stück auf Deutschlandtournee. Zusammen mit Concerto Köln präsentiert er das Singspiel „Der Schauspieldirektor“. Von Christoph Driessen (dpa)

Im Interview spricht Schmidt über Casting zur Mozart-Zeit, seine Gesangskünste und seine Bildungslücken.

„Der Schauspieldirektor“ von Mozart – ehrlich gesagt: nie davon gehört.

Schmidt: Das wird immer nur gegeben, wenn sich so jemand wie Peter Ustinov oder Otto Schenk dafür anbietet, also jemand, von dem es heißt: Der hat Humor.

Hatte Mozart Humor oder sogar eine kabarettistische Ader?

Er hat den damaligen Theater- und Opernbetrieb zumindest liebevoll karikiert. Im Grunde genommen ist es eine Casting-Situation, aus der heutigen Sicht.

Im 18. Jahrhundert gab es schon Casting-Shows?

Ich bin jetzt nicht so platt, dass ich sage: Bringen wir da ‘ne Casting-Situation rein. Aber es geht darum: Zwei Sängerinnen wollen beide die Hauptrolle, und die eine wird über den vermögenden Freund reinfinanziert in die Produktion. Und dann wird da ein Stück, das heißt glaube ich „Der gehetzte Ehemann“, in diesem Stück noch mal aufgeführt. Sie sehen also: Das können Sie heute nicht mehr bringen.

Aber Sie bringen es trotzdem.

Ich habe das, worum es inhaltlich geht in den Dialogen, in meine Worte gefasst und auf 2012 übertragen, auf die Situation des Theater- und Opernbetriebs.

Und Sie spielen auch selbst zwei Rollen?

Ich bin der Sprecher, und dann singe ich auch noch diese 40 Takte am Schluss.

Sie haben Kirchenmusik studiert, Sie können das?

Ich bin natürlich kein ausgebildeter Opernsänger, aber das ist auch von Mozart so gedacht für diese Rolle. Es ist vorgesehen, dass diese Rolle jemand singt, der es eigentlich nicht kann, aber von sich sagt: Ich bin eh der beste Sänger.

Welche Stimmlage sind Sie denn?

Bariton.

Ist das Ganze eher was für Mozart-Liebhaber oder für Schmidt-Fans?

Es geht um Mozart, und ich bin auch noch ein bisschen mit dabei.

Sie scheinen sich ja überall bestens auszukennen. Jetzt mal Hand aufs Herz: Wo liegen Ihre Bildungslücken – vielleicht in der Bildenden Kunst?

Ich bin eigentlich nirgends besonders bewandert, aber sagen wir so: Für den deutschen Betrieb reicht’s. Wenn Sie irgendwo „Schostakowitsch“ sagen, dann langt das mindestens für drei Talkshows am Stück. Bildende Kunst: Da habe ich nahezu keine Ahnung. Hindert mich aber nicht daran, ausschweifend drüber zu reden.

Was könnten Sie denn noch machen, haben Sie unerfüllte Träume?

Nein, ich habe ja das Glück, dass ich durch den deutschen Subventionsbetrieb alle Träume erfüllt bekommen habe. Und ich wüsste nicht, was das noch sein sollte. Ich konnte wirklich alles machen, wozu ich Lust habe.

Vielleicht etwas Bekannteres von Mozart – die „Zauberflöte“?

Nein, da ist der Respekt dann doch zu groß. Da haben wir genügend Künstler, die das können.

Harald Schmidt und Concerto Köln am 22. Januar in der Alten Oper. Karten: 069 9712400.

Quelle: op-online.de

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