„Ich mach das mal wie Burroughs“

Frankfurt - Der 1959 geborene Berliner Blixa Bargeld hat mit seiner Band Einstürzende Neubauten Musikgeschichte geschrieben und passt schon von daher ganz gut ins Museum. Von Dirk Fellinghauer

Mit Büchern statt Band war der Musiker, Performer, Autor und Schauspieler nun leibhaftig in der Schirn Kunsthalle zu bestaunen – inmitten der aktuellen Ausstellung „Kienholz. Die Zeichen der Zeit“.

Bargeld war gekommen, um Literatur der Beat Generation zum Besten zu geben. Dieser fühlt er sich dem Vernehmen nach ebenso verbunden wie einst Edward Kienholz (1927-1994), der zuerst allein und später mit seiner Frau Nancy Reddin Kienholz wuchtige rebellische und polarisierende Werke schuf.

Aus allernächster Nähe erlebten die Glücklichen, die Karten ergattert hatten, zunächst einen Star, dessen Geduld wegen technischer Probleme so sehr strapaziert wurde, dass seine anfangs gute Laune rapide in den Keller rauschte. Mit dem Happyend am Technikpult konnte die Lesung schließlich beginnen. Schnell noch das Image der gepflegten Arroganz bedient, „schon“ konnte es tatsächlich losgehen und Bargeld aus den wilden Worten lesen, die vor über fünfzig Jahren junge zornige Männer namens Jack Kerouac (1922-69), Allen Ginsberg (1926-97), Lawrence Ferlinghetti (1919) und William S. Burroughs (1914-97) kraftvoll und oft experimentell verfasst hatten. Viel dreht sich um Sex und Drogen, um Marihuana-Schwaden und Junkie-Exzesse, aber auch um Reisen, um politische und gesellschaftliche Statements oder auch einfach um Poesie selbst.

Literarische Geschichtsstunde

Bargeld las mal die deutschen Übersetzungen, souverän, betont, mit bekannt-markanter Stimme, mal eher holprig, mit starkem Akzent und dem Finger immer an den Worten entlang, die englischen Originaltexte. Wer eine Performance erwartet hatte, wurde enttäuscht. „Ich mach das mal so ähnlich wie Burroughs“, war einer von sehr wenigen Versuchen, den Vortrag zu inszenieren.

Umso engagierter legte er sich für die, aus deren Texten er las, ins Zeug. Zwischen die Passagen streute er Anmerkungen über die Autoren und ereiferte sich über Halb- und Unwahrheiten, die heute über die von ihm verehrten Literaten verbreitet würden. So geriet die Vorlesestunde stellenweise zur Geschichtsstunde und passte damit wieder vorzüglich ins Museum. So holprig der Auftakt war, so abrupt geriet der Abgang. „Wir ham’s“, sagte Bargeld nach einer knappen Stunde, klappte die Bücher zu und verließ strammen Schrittes den Raum.

Quelle: op-online.de

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