„Ich will sie mal anfassen“

Yoko-Mania im Dominikanerkloster

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Neuauflage einer legendären Performance.

Frankfurt „Ich soll Ihnen Grüße von John Lennon bestellen“, sagt ein Mann mit einer geflochtenen Haarsträhne. Er spricht Englisch. Dann fragt er Yoko Ono nach ihrer liebsten Grüner-Tee-Sorte. Von Kathrin Rosendorff

Er steht wenige Meter vor ihr und spricht in ein aufgestelltes Mikrofon. Hinter ihm sitzen und stehen 400 Menschen im vollbesetzten Frankfurter Dominikanerkloster. Yoko Ono zieht bloß eine Augenbraue hoch, ansonsten bleibt die Lennon-Witwe lässig. Sie ist fast komplett in schwarz gekleidet: Ihren Hut trägt sie leicht schräg, auf der Nase hat sie eine dunkle Sonnenbrille und um ihre schwarzen Bluse hängt locker ein weißer Schlips. Sie sieht so gar nicht aus wie jemand, der in wenigen Tagen - am 18. Februar - seinen 80. Geburtstag feiert.

Ihre Figur ist mädchenhaft, ihre Schritte sind jugendlich flink. Gerade eben hat sie noch mit einem Pinsel sechs Symbole, die an japanische Schriftzeichen erinnern, innerhalb von einer Minute an eine Leinwand geklatscht. „Action Painting“ heißt das in der Kunstszene. Es ist der Abend vor der Eröffnung ihrer Ausstellung in der Schirn.

Bilder von der Eröffnung der Yoko Ono-Retrospektive

Yoko Ono in der Schirn

Ein bisschen fühlt man sich im Dominikanerkloster am Mittwoch beim Performance-Abend mit Fragerunde wie bei einer abgedrehten Audienz. Ono sitzt cool auf einem gepolsterten Stuhl. Im Internet wurden Tickets, die eigentlich zwölf Euro kosteten, für bis zu 130 Euro angeboten.

Im Mittelpunkt der Veranstaltung steht ein Stück mit dem Titel „Sky Piece to Jesus Christ“. Wiederholt wird eine Performance Yoko Onos aus dem Jahr 1965 in New York, bei der sie die Mitglieder eines Orchesters, während des Spielens mit Mullbinden umwickelte. Der Titel bezieht sich auf Komponistenlegende John Cage, der im Kreis der Avantgardemusik manchmal als „ Jesus Christus“ bezeichnet wurde. Für Ono präsentiert der Himmel (Sky) die Freiheit - im Gegensatz zu den inneren und äußeren Fesseln (Mullbinden). Diesmal legt Ono aber nicht selbst Hand an. Sie schaut aus der ersten Reihe zu, wie sechs Frauen das für sie erledigen. Knapp eine halbe Stunde dauert es, bis die elf Mitglieder der „Jungen Deutschen Philharmonie“ von Kopf bis Fuß eingewickelt sind. Als sie nicht mehr fähig sind, Antonín Dvoráks „Serenade d-Moll“ zu spielen, ist Schluss. Yoko Ono applaudiert und kommt mit einem Lachen auf die Bühne.

Ono beantwortet Fragen auf ihre eigene esoterische Art

Sie antwortet nicht konkret auf die Fragen des Publikums, sondern auf ihre eigene esoterische, sehr positive Art. Etliche der Fragen sind auch etwas merkwürdig. Eine Frau, die einen Hofknicks vor Ono macht, will beispielsweise wissen, was die Künstlerin sich für Deutschland wünsche. Yoko Ono antwortet: „Alles, was dir im Leben widerfährt, auch das Schlechte, ist ein versteckter Segen.“ Sie erzählt, dass sie nach dem Tod von John Lennon eine sehr schwere Zeit durchmachte. Sie habe lange gebraucht, um zu sehen, dass „der Himmel immer noch blau ist.“ Das Englisch der japanisch-amerikanischen Künstlerin ist nicht so einfach zu verstehen. Ihre Aussprache ist trotz jahrzehntelangen Lebens in den USA mit einem starken Akzent behaftet.

Auch einen neuen Song hat sie vor wenigen Tagen veröffentlicht: Den Tanz-Track . „Hold me“, der „euch Energie bringen soll“. Ein älterer Herr mit knallrotem Pulli hat nur eine Bitte: „Ich will Sie mal anfassen“. Ono berührt seine Fingerspitzen. Dann sagt sie: „Das hat mich geschockt.“ Aber sie ist noch in der Lage, ihr letztes Kunst-Happening an diesem Abend zu vollziehen. „Promise Piece“ heißt es. Sie zeigt auf einen Scherbenhaufen. Ein zerbrochener Bembel. Jeder Gast soll sich eine Scherbe rausnehmen. „In zehn Jahren treffen wir uns hier alle wieder und wir fügen die Teile zu einem Stück zusammen.“ Zum 90. Geburtstag von Yoko also. Versprochen.

Quelle: op-online.de

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