Seele auf Laufband

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Dominic Betz als Soldat, der ein Bündnis mit dem Teufel schließt, zu Reichtum kommt und doch alles verliert.

Frankfurt - Ein Steg ist quer durch das Holzfoyer der Oper Frankfurt gelegt. Seitlich thront über allem der Erzähler, der sich mehr und mehr in das Spiels hineinziehen lässt. Von Axel Zibulski

Igor Strawinskys „L’Histoire du Soldat“ wird „gelesen, gespielt und getanzt“, so der Untertitel des 1918 für ein Schweizer Wandertheater komponierten Werks. Gesungen wird nicht: Strawinsky hat „Die Geschichte vom Soldaten“ als Bühnenstück für Schauspieler und ein Sieben-Personen-Orchester vertont.

Das Stoff erinnert an „Faust“: Ein Soldat auf dem Weg in den Heimaturlaub paktiert mit dem Teufel. Ein Buch, das dem Abgekämpften die Börsenkurse der kommenden Tage verrät, macht ihn zu einem reichen Mann. In seinem Heimatdorf freilich hat man ihn nicht mehr erkannt; der Teufel ließ Tage wie Jahre vergehen. Ein Stück für letzte Kriegstage: Strawinsky und der Schweizer Dichter Charles Ferdinand Ramuz schrieben die „Geschichte vom Soldaten“ kurz vor Ende des Ersten Weltkriegs.

Den Charme des Improvisatorischen kann die szenische Einrichtung des Werks durch den jungen Regisseur Hans Walter Richter wahren; seit vier Jahren ist Richter als Regieassistent an der Oper Frankfurt engagiert. Auf dem Steg, zu dessen linker und rechter Seite das Publikum im Holzfoyer die 75-minütige Aufführung verfolgt, lässt ein Laufband den Soldaten immer wieder tumb auf der Stelle marschieren. Und der Teufel verführt: Ingrid El Sigai spricht und spielt ihn im Frack, mit Ringelschwänzchen und freigelegten Brustwarzen (Kostüme: Bernhard Niechotz). Eros wäre mehr. Dominic Betz gibt den jungen Soldaten gehetzt, unsicher, aus seiner Mitte geraten; eine Seele, die im Kartenspiel mit dem Teufel aufbegehrt und doch verliert. Als Prinzessin tanzt Paula Rosolen, am Anfang und am Ende der Aufführung wie eine Braut neben weißen, Tod kündenden Lilien sitzend.

Weitere Vorstellungen 24. (22 Uhr) und 25. (20 Uhr) März

Gewiss, Hans Walter Richters kleine Inszenierung (in deutscher Übersetzung) beklemmt. Weil man sich mit keinem der vier Darsteller wirklich identifizieren kann, nicht einmal mit dem Erzähler, dem fast greise wirkenden Schauspieler Michael Autenrieth. Sozusagen ohne Mitte bleibt auch die Musik mit ihren hohen (Violine, Trompete) und tiefen (Kontrabass, Fagott) Instrumenten, ihrer oft marschhaften, verzerrten, schlagwerksgefärbten Rhythmik: Sebastian Zierer leitet das seitlich postierte und doch höchst präsente Instrumental-Septett.

Wie aktuell ein Reichtum versprechender Teufelspakt ist, mag man beim Blick durch die Foyer-Scheiben der Oper Frankfurt auf Banken wie auf Banken-Gegner allerdings nur selbst ergründen – jegliche offene Aktualisierung versagt uns Hans Walter Richters Inszenierung nämlich.

Quelle: op-online.de

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