Innere und äußere Landschaft in Übereinstimmung gebracht

Christine Eckert, farbige Monotypie ohne Titel.

Mit Malereien und Skulpturen von Christine Eckert, Sigrid Siegele und Reiner Emrich setzt das Kunstforum Seligenstadt eine hohe Marke. Wie gut sich das Trio, das bei einem Argentinienprojekt zueinander gefunden hat, abstimmen kann, ist im Alten Haus zu sehen.

Das wirkt so intensiv, dass sich der Kunstfreund beim Betrachten von Emrichs pastosen Pinselreliefs, Siegeles ein- und ausgebuchteten Ziegelplastiken und Eckerts Monotypien auf einer Insel der Seligen wähnt.

Reiner Emrich, „Küstenvariation in Öl“ Fotos (3): Gries

Der 1951 in Darmstadt geborene Emrich verbindet malerische Virtuosität mit technischer Variabilität, wenn er Kleinformate vier- bis achtteilig in Öl erfasst, geschichtete Farbflächen rhythmisiert oder Reiseeindrücke aus Skandinavien und Andalusien vibrieren lässt. Mangrovenartig lässt er in „Blätterteich“ oder „Pitzmoor I“ Bäume und Blätter aus dem Wasser wachsen, in opulenter Farbigkeit mit haptischem Reiz. Vegetativer Formendschungel beengt nicht. Abstrakte und expressive Pinselsetzungen, blaue Lichtspiele mit Küstenmotiven oder Wolkenformationen öffnen und schließen Räume. Das freie Spiel mit den Malmitteln schafft Wiedererkennbares, bei der Finca auf einem Hügel oder dem Weiler in weiter Landschaft. Emrichs Malgestus findet in Kohlezeichnungen und Radierungen mit feinsten Linien, Strukturen und Nuancen filigrane Entsprechung.

Dagegen behauptet sich die im selben Jahr geborene Siegele mit strenger, fast minimalistischer Formensprache. Wie die Bildhauerin und Baukeramikerin von der Schwäbischen Alb Emrichs Farbräume und die Bruchsteingewölbe des Hauses kontrapunktiert, zeigt, warum sie eine feste Größe der Darmstädter Sezession ist. Diffizil weicht sie von der Norm ab, keineswegs zügellos, mit großem Körpereinsatz und keramischem Geschick. Auf der Suche nach der beseelten Form arbeitet sie sich am weichen Ton frisch gegossener Mauersteine ab, um starrer Geometrie Leben einzuhauchen.

Was bei fast 1000 Grad gebrannt, vor Ort gemauert und verfugt wird, drängt nach Dauerhaftigkeit, auch wenn es speziell fürs Kunstforum gebaut ist. „Be-dacht“, so der Titel einer Skulptur, ist Siegeles Vorgehen generell, so bei der Gelbfärbung der Klinker, bedingt durch chemische Verwandlung. Flach liegende „Grenz-Steine“ meiden oberflächlich-ornamentale Spielereien, gewölbte Kuben und konkav ausschwingende Archetypen („Bild 1 und 2“) verbreiten meditative Stille.

Auch die 1954 in Kaufbeuren geborene Gernsheimerin Christine Eckert ringt mit elementaren Visionen. Zuweilen setzt sie Farbflächen und Bildstreifen archaisch gegeneinander, dann folgt sie dem vegetativen Eigenleben ihrer Monotypieabzüge. In einer aus 100 Quadraten gefügten Maltafel steht Erdiges neben Verbranntem. Eine 15-teilige Druckserie vereint Kreuze, Grab- und Grenzsteine zu übergreifender Erinnerungstextur. Eckerts Andalusien-Serie und Gebirgslandschaften stellen eine Gratwanderungen zwischen äußerer Realität und innerer Verfassung dar.

Was Peter Handke mit der „Innenwelt der Außenwelt“ meint: Bei diesem Künstlertrio ist es sichtbar! „Christine Eckert, Sigrid Siegele, Reiner Emrich – Landscape & Landmarks“, Galerie Kunstforum Seligenstadt Altes Haus, Frankfurter Straße 13, bis 22. März Freitag, Samstag, Sonntag, 15 bis 18 Uhr

(R. Gries)

Quelle: op-online.de

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