Inspiration für Dichter

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Porträt Johann Caspar Goethe

Frankfurt - Er war Sammler, Jurist und einflussreicher Bürger. In den Annalen der Stadt Frankfurt ist er aber vor allem der Vater des Dichters Johann Wolfgang Goethe. Von Maren Cornils

Die Rede ist von Johann Caspar Goethe, dem das Freie Deutsche Hochstift anlässlich seines 300. Geburtstags eine kleine, aber feine Ausstellung im Säulensaal widmet.

Geboren am 29. Juli 1710 in Frankfurt, 1742 von Karl VII. zum Wirklichen Kaiserlichen Rat ernannt, machte sich Goethe als Kunstkenner und Mäzen einen Namen. So zeigt die Schau nicht nur Porträts, sondern eine Vielzahl an Schriftstücken, die etwas über Johann Caspars Karriere als Gastronom und Weinhändler verraten. Auch ein interessantes Stück Stadtgeschichte ist zu erkunden.

„300 Jahre Johann Caspar Goethe – Sammler, Jurist, Vater und Frankfurter Bürger“, bis 28. Februar im Freien Deutschen Hochstift, Großer Hirschgraben 23-25, Frankfurt. Geöffnet Montag bis Samstag 10 bis 18, Sonn- und Feiertag 10 bis 17.30 Uhr

Unter verschiedenen As pekten nährt sich die Schau dem Leben Johann Caspar Goethes (1710-1782). So sind neben Vitrinen zu Reisen nach Italien und Frankreich auch solche zum „Juristen Johann Caspar“ oder dem Umbau des Hauses „Zu den drei Leyern“ am Hirschgraben zu finden. Was beim Rundgang auffällt: Das Leben Johann Caspars weist Parallelen zu dem seines Sohnes auf. Wie dieser studiert er Jura, erst in Gießen, dann in Leipzig, bis er 1738 promoviert. Zwei Jahre später geht er auf Bildungsreise, erkundet Venedig, Rom und Neapel, das ihn besonders fasziniert.

1748 heiratet der Spross des Schneidermeisters Friedrich Georg Göthé und der Gasthausbesitzerin Cornelia Walther seine Frau Catharina Elisabeth Textor. Ein Jahr später wird Sohn Johann Wolfgang geboren, ein Jahr darauf Tochter Cornelia. Von beiden finden sich Zeugnisse, von Goethe etwa Beschreibungen seines Elternhauses in „Dichtung und Wahrheit“.

Auch Zeitgenossen kommen zu Wort. Von Johann Heinrich Merck ist überliefert, dass er Johann Caspar als Geizkragen bezeichnete und für einen Propanz hielt. Schmeichelhafteres ist über dessen Kunstverständnis zu erfahren. Der Umbau seines Domizils vom engen, verwinkelten Häuschen zum repräsentativen, dem Stand des wohlhabenden Rats angemessenen Bau geht auf Johann Caspars Konto.

Wie groß war sein Vermögen? Welche Medikamente wurden im Haus aufbewahrt? Und welche Kostbarkeiten enthielt der Weinkeller? Das alles und mehr erfahren Besucher der Ausstellung. So ist zu lesen, dass Goethes Vater einen Weinberg besaß, welche Lektüre aus der väterlichen Bibliothek den jungen Dichter zum „Urfaust“ inspirierte und wie teuer das Begräbnis Johann Caspars war.

Daneben zeigt die Shau „300 Jahre Johann Caspar Goethe – Sammler, Jurist, Vater und Frankfurter Bürger“ zeitgenössische Stadtansichten, Gemälde des im Besitz der Familie befindlichen „Weidenhofs“, damals eines der angesehensten Frankfurter Gasthäuser, sowie das Siegel der Ernennungsurkunde zum Kaiserlichen Rat.

Quelle: op-online.de

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