Installation von Daniele Buetti

Eine Frage der Betrachtung

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Große Kissen in der Rotunde der Schirn Kunsthalle laden zum Verweilen ein. Die Kunst entsteht dann im Kopf.

Frankfurt - Erholungsangebot oder esoterisches Happening? In der Rotunde der Schirn ist eine Installation des Schweizer Künstlers Daniele Buetti eingerichtet, die Fragen aufwirft. Von Eugen El

Betritt man dieser Tage die Rotunde der Schirn Kunsthalle, dann stößt man auf ein rundes Podest, auf dem große Kissen verteilt sind. In diese kann man sich setzen oder aber sich darauf fallen lassen. In regelmäßigen Abständen wird ein Tonstück abgespielt, ein suggestiver Text, der den Besucher direkt anspricht. Was wie ein Erholungsangebot oder wie ein esoterisches Happening anmutet, ist in Wirklichkeit ein Werk des 1955 geborenen Schweizer Künstlers Daniele Buetti.

Das 23 Minuten lange Tonstück wurde vom emeritierten Frankfurter Psychologieprofessor Arno Müller eingesprochen. Im Verlauf dieser sogenannten geführten Meditation sollen im Bewusstsein des hypnotisierten Besuchers Farbeindrücke entstehen, die zu einer Reinigung von negativen Gefühlen und Gedanken führen. Obwohl das Werk also immateriell und unsichtbar ist, geht es darin um Farben und ihre Wirkungsmacht, ein genuin malerisches Thema, das Buetti auch in der zur Ausstellung erschienenen Publikation aufgreift. Die Installation trägt den Titel „It’s all in the mind“ und spielt darauf an, dass Kunst zu einem Teil auch im Bewusstsein des Betrachters entsteht. Buetti radikalisiert diesen Gedanken.

Meditative Wirkung

Der von Arno Müller eingesprochene Text wird in der Rotunde nur in der deutschen Originalversion abgespielt. Durch den Verzicht auf eine englischsprachige Version möchte Buetti den Werkcharakter dieses Tonstücks betonen. Er sieht es nicht als ein Serviceangebot für jeden. Tatsächlich werden ausländische Besucher der Schirn und auch zufällige Passanten, die die deutsche Sprache nicht beherrschen, von der beabsichtigen meditativen Wirkung ausgeschlossen. Ihre Wahrnehmung des Werks ist eine völlig andere. Buettis Installation changiert zwischen Einbindung und Ausschluss des Rezipienten. In dieser Unentschiedenheit liegt ihre Schwäche.

Yoko Ono in der Schirn

Yoko Ono in der Schirn

Kunstbetrachtung ist seit langem schon ein kontemplativer, quasi-religiöser Akt. Buettis Installation führt diese Tradition mit der gewandelten Rolle der Kunst in der Gegenwart zusammen. Die Museen und Kunsthallen sind mittlerweile zu einem attraktiven, auf die Bedürfnisse eines möglichst breiten Publikums abgestimmten Freizeitangebot geworden. Sie als einen potenziellen Ort der meditativen Entspannung zu thematisieren, erscheint daher als ein konsequenter Schritt. Es liegt aber letztlich am Besucher, in welcher Weise er sich auf diesen Diskurs einlassen kann und will.

Daniele Buettis Installation ist bis 31. August jeweils dienstags bis sonntags von 10 bis 22 Uhr in der Rotunde der Schirn Kunsthalle zu erleben. Das Tonstück startet jeweils zu jeder vollen und halben Stunde.

Quelle: op-online.de

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