Inszenierung von „Ronja Räubertochter“

Lindgrens liebevolle Lektion

+
In de Geschichte überwinden Kinder tiefe Gräben.

Frankfurt - Räuber werden ist nicht schwer, Räuber sein dagegen sehr – so oder ähnlich ließe sich, frei nach Wilhelm Busch, Astrid Lindgrens Kinderbuch „Ronja Räubertochter“ auf den Punkt bringen. Von Maren Cornils 

Denn den schreckerregenden Räuberhauptmännern Mattis und Borka wird darin nicht nur von ihrem Nachwuchs eine Lektion in Sachen Vernunft und Moral erteilt, sie müssen am Ende auch erkennen, dass ihrer Zunft nicht unbedingt die Zukunft gehört.

In dem 1981 erschienen Abenteuerroman geht es nur vordergründig um fiese Graugnome, mutige Räuberkinder, hinterhältige Wilddruden, abenteuerliche Mutproben und eine alberne Sippenrache. Wer genau hinschaut, entdeckt drei Themen, die sich wie ein roter Faden durch jedes von Lindgrens Büchern ziehen: Freundschaft, Freiheit und die Unverdorbenheit von Kindern, die den bornierten Erwachsen einmal mehr vormachen, wie viel besser eine Welt wäre, würde sie denn von Kindern regiert.

Die Bühnenfassung im Schauspiel Frankfurt ist ein Glanzlicht für kleine, aber auch für große Fans der unvergessenen schwedischen Autorin. „Heldin“ ist die kecke Ronja (Lisa Stiegler), Tochter des Räuberhauptmanns Mattis (Michael Lucke), dessen wilde Bande in der Mattisburg haust.

Als Ronja alt genug ist, um ihr behütetes Zuhause zu verlassen, macht sie sich umgehend auf, die Welt zu erkunden. Dabei begegnet sie Birk (Daniel Rothaug), dem Sohn des mit Mattis verfeindeten Räuberhauptmannes Borka (Sébastien Jacobi). Aus anfänglicher Abneigung der Teenager wird schnell Freundschaft, was den beiden sturköpfigen Vätern alles andere als recht ist. Ronja und Birk büxen aus, um fortan im Wald zu leben. Doch schon bald wird ihre Freundschaft auf die Probe gestellt.

Duell im Weitsprung über den Köpfen

Matthias Schönfeldt inszeniert den Abnabelungsprozess als unterhaltsames musikalisches Abenteuer mit Fantasy-Elementen. Wenn die beiden durch die beeindruckende und animierte Waldkulisse stolpern, die durchaus „Herr der Ringe“-tauglich wäre, oder sich hoch über den Köpfen der Zuschauer ein Duell im Weitsprung liefern, dann sind diese schlichtweg gefesselt. Begleitet wird die auf drei Bühnenebenen spielende Handlung durch eine mitreißende, von Biber Gullatz komponierte Musik, die mal bluesig daherkommt, mal fröhlich Klezmer zitiert.

Während Mattis’ Truppe im zotteligen Hells-Angels-Look mit langen Haaren, wilden Rauschebärten, fleckigen T-Shirts und viel schwarzem Leder daherkommt, wirken die Borkas mit ihren muskelbepackten blanken Oberkörpern und ihren Stirnbändern wie American Dreamboys in John-Travolta-Gedächtnis-Pose. Besonderer Höhepunkt einer durch und durch stimmigen und mitreißenden Inszenierung ist jedoch Borkas schlagfertige und -kräftige Frau Undis (Christian Bo Salle), die in ihrem rosa Fummel, mit sexy Netzstrümpfen und dick aufgetragenem Lidschatten wirkt wie eine Drag Queen – und die ihrem hasenherzigen Mann ordentlich einzuheizen versteht.

Bis 25. Dezember auf dem Spielplan. Karten gibt es unter 069/21249-494

Quelle: op-online.de

Kommentare