Interaktives Bildungsquiz

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Ebert würzt Evolutionstheorie mit Humor.

Dreieichenhain - Er gehört einer Berufsgruppe an, die nicht unbedingt für ihren Humor bekannt ist, versteht es aber, Laien physikalische Gesetze mit derart viel Witz zu erklären, dass selbst Naturwissenschafts-Muffel begeistert sind: Diplom-Physiker Vince Ebert. Von Maren Cornils 

Nachdem der im Odenwald aufgewachsene Riese in seinen drei vorausgegangenen Programmen erklärte, warum Physik sexy ist, geht er nun in „Evolution“ daran, den Zuschauern in der Burgruine Dreieichenhain verständlich zu machen, warum „der Typ mit den sechs Tagen einpacken“ kann, welche Dimension der Urknall hatte und wieso Darmbakterien mehr Lob verdient hätten.

Zunächst aber stellt Vince Ebert einen Haufen Fragen. „Ist der Musikantenstadl mit der Evolutionstheorie vereinbar?“ zum Beispiel oder auch, „Warum kann man im Odenwald so prima lernen, was ein Vakuum bedeutet?“ Fragen, die der Komiker in zwei Stunden mehr als ausführlich beantwortet. Denn „Evolution“ ist nicht nur intelligente Comedy, es ist ein witziges interaktives Bildungsquiz, das zeigt, wie spannender Biologie-, Astronomie- und Physikunterricht aussehen könnte, wenn er denn von jemandem dargeboten würde, der Spaß an der Wissensvermittlung hat. Und so dürfen die Zuschauer in der ausverkauften Burgruine einen Sandbären, ein wirbelloses, mit bloßem Auge nicht sichtbares Tierchen, in Nahaufnahme betrachten; sie erfahren, dass drei Minuten nach dem Urknall bereits 98 Prozent der Materie vorhanden waren und bekommen einen Eindruck davon, wie es vor diesem Phänomen ausgesehen haben könnte: „Es war kalt. Es war dunkel. Es war leer. Ungefähr so wie Brandenburg bei Nacht.“

Alles zu den Burgfestspielen in Dreieichenhain

Schwarze Löcher vergleicht Ebert mit dem Vatikan, Ammoniak ist für ihn etwas, das man „in München beim Oktoberfest auf der Herrentoilette“ findet und die Vorform jeglichen Lebens, „eine schleimige, ölige Substanz“, in etwa das, „was wir als Versicherungsvertreter bezeichnen“. Dazwischen verrät der Naturwissenschaftler, dass eine Salmonelle über mehr Bauteile verfügt als eine Boeing 747 und warum der Kuschelfaktor von Bakterien so niedrig ist.

Als pragmatischer Vertreter der Evolutionstheorie nimmt Ebert Esoterikern und Gläubigen zwar jede Hoffnung, dass hinter der Schöpfung ein höherer Plan stecken könnte. Dafür beweist der Komiker jenen, für die Physik zu Schulzeiten ein ungeliebtes Fach war, dass es durchaus lohnen kann, sich mit physikalischen Gesetzen auseinander zu setzen. Großartig und weniger betulich als Medizin-Kollege Eckart von Hirschhausen!

Quelle: op-online.de

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