Media Intense besteht auf Zahlung – Immer mehr Geschädigte melden sich beim EXTRA TIPP

Internet-Abzocker drohen weiter

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Von Jennifer DreherRegion Rheinmain - Er wollte nur sein kostenloses Anti-Viren-Programm auf den neusten Stand bringen und tappte dabei in die Internet-Abo-Falle. Der EXTRA TIPP berichtete am 28. Juni von Michael Glabs Problemen mit dem Internetdienst Win-Loads.net.

Der Rodgauer folgte zahlreichen Links, die alle mit free und kostenlos warben und schloss am Ende ein zwölfmonatiges Abo ab - ohne es zu wissen. Ähnlich erging es weiteren Lesern, die hilflos vor ihren Mahnungen und Rechnungen sitzen. Sie alle wurden Opfer der Internet-Abzocke.

Obwohl Media Intense zunächst angekündigt hat, die Forderungen gegen Glab einzustelllen, sobald die schriftliche Kündigung angekommen sei, will die Hanauer Firma zwei Wochen später nichts mehr davon wissen. Glab solle zahlen, und es sei kein Einschreiben angekommen. Media Intense droht ihm per E-Mail: Wir weisen Sie auf unsere Kooperation mit verschiedenen Wirtschaftsauskunfteien hin; bei Nichtzahlung kann Ihre Kreditwürdigkeit negativ beeinflusst werden. Dies kann sogar zur Kündigung bestehender Bankverbindungen oder Verträge mit Mobilfunkprovidern führen. Glab ist geschockt.

Genauso geht es Bettina Schüssler. Ich bin einfach den Links gefolgt, überall stand kostenlos, erinnert sie sich. Erst als zwei Minuten später die Bestätigung der Anmeldung in ihrem E-Mail-Postfach ankommt, wurde ihr klar, dass sie bei Win-Loads.net ein Abo abgeschlossen haben soll. Die Mahnungen und Drohungen der Übergabe an ein Inkassobüro lassen Schüssler nicht kalt. Ich will endlich meine Ruhe haben.

Ähnlich geht es einer Leserin, die sich per E-Mail an die Redaktion gewandt hat: Mir ist genau das gleiche passiert wie Herrn Glab. Trotz zeitnahem Widerspruch des Abos, Auftrag zum Löschen aller meiner persönlichen Daten vor Ablauf der Testphase und Widerspruch gegen die Rechnung, drohen sie jetzt mit der Abgabe an ein Inkassounternehmen und weiteren Schritten. Auch sie ist ratlos.

Helfen kann Dunja Richter, Juristin der Verbraucherzentrale. Wenn die Ausführung der Dienstleistung begonnen hat, gibt es oftmals keine Möglichkeit, den Vertrag zu widerrufen, berichtet sie. Dabei kann es sich um Downloads, SMS oder Ähnliches handeln. Wenn bis zur Anmeldung mit kostenlos und gratis geworben und der Verbraucher nicht ausdrücklich darauf hingewiesen wird, dass er bei einer Anmeldung zahlen muss, dann ist der Vertrag nach momentaner Rechtsauffassung ungültig. Oft sind die Kostenhinweise am Seitenende versteckt oder die Zahlen sind in Buchstaben ausgeschrieben, sodass der Verbraucher sie als Fließtext wahrnimmt, weiß Richter.

Internet-Nutzer sollten sich Webseiten genau anschauen und die AGBs lesen, bevor sie sich dort anmelden. Wenn es dafür zu spät, also die Anmeldung erfolgt ist, gibt es die Möglichkeit, den Vertrag zu bestreiten. Unter www.vz-bawue.de/mediabig/28042A.pdf finden Betroffene einen Musterbrief.

Oftmals endet danach die Briefflut jedoch nicht. Wenn ein gerichtlicher Mahnbescheid kommt, sollte der Verbraucher handeln, warnt Richter. Dann kann man den Betrag und die angelaufenen Mahngebühren entweder begleichen oder auf sein Recht bestehen und dem Mahnbescheid widersprechen. Die Betroffenen sollten sich in diesem Fall an einen Anwalt wenden.

Letztendlich muss immer der Einzelfall geprüft werden, sagt Richter. Die Verbraucherzentrale kann Wege aufzeigen. Es ist eine Nervensache, ob man sein Recht durchsetzt oder irgendwann zahlt, um seine Ruhe vor den Abzockern zu haben - sicher ist aber auch das nicht.

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