Flying Steps fliegen auf Bach

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Die Breakdance-Gruppe Flying Steps und Tänzerin Yui Kawaguchi tanzen die Show „Red Bull Flying Bach“ auch in Frankfurt. Unten: Gründer Vartan Bassil.

Frankfurt - Die Breakdance-Gruppe Flying Steps tanzt schon seit knapp 20 Jahren, sie ist vierfacher Weltmeister und hat etliche Preise gewonnen. Mit ihrer neuen Show „Red Bull Flying Bach“ schafften es die Berliner, Klassik-Liebhaber und HipHop-Fans zu begeistern. Von Angelika Pöppel

Heute treten sie auch in Frankfurt auf. Das Besondere: Sie breaken auf die Musik von Johann Sebastian Bach. Gründer Vartan Bassil verrät, dass er allerdings nie etwas für klassische Musik übrig hatte.

Ist Breakdance heute überhaupt noch angesagt? Auf dem Höhepunkt war die Breakdance-Euphorie doch in den 80ern...

Das stimmt. Aber Breakdance war nie weg. Breaker tanzen immer noch auf der Straße und in Video-Clips – überall. Es ist einfach nichts Neues mehr und gehört zum Alltag dazu.

Du tanzt schon seit knapp 20 Jahren Breakdance. Wie reagierte dein Umfeld darauf?

Meine Eltern waren anfangs extrem dagegen. Sie wollten, dass ich einen sicheren Berufsweg einschlage und studiere. Mittlerweile haben wir sogar eine eigene Tanzschule. Aber es gibt immer noch Vorurteile gegenüber Breakdancern. Als ich mich auf dem Elternabend meiner Tochter als Breakdancer vorstellte, habe ich gemerkt, dass das keinen guten Eindruck machte. Heute kommt der Sohn ihrer Lehrerin selbst in unsere Tanzschule. Wir wollten einfach, dass Breakdance anerkannt wird.

Kamt ihr deshalb auf die Idee, Breakdance mit klassischer Musik zu verbinden?

Ja. Breakdance kommt von der Straße, damit kann man nur eine kleine Gruppe erreichen. Unser Ziel war es zu zeigen, wie kunstvoll der Tanz sein kann. Breakdance ist nicht nur Rumgehampel. Das Training ist genauso hart wie das Training eines Balletttänzers. Aber es wird nicht als Kunstform angenommen. Und so kamen wir auf die Idee, Breakdance mit klassischer Musik zu kombinieren. Auch um ein anderes Publikum zu erreichen.

Wer sitzt im Publikum? Jung oder Alt?

Es macht uns alle sehr froh, dass zu unserer Show der Opa mit seinen Enkeln, die Eltern mit ihren Kindern, aber auch Jugendliche kommen. Ob Klassik-Liebhaber oder junge HipHopper, das Publikum ist bunt gemischt.

Ist es überhaupt möglich, auf klassische Musik richtig zu breaken?

Wir hatten den Anspruch, so wenig wie möglich den Breakdance zu verfremden. Wir haben unsere Bewegungen nur der Musik angepasst, ohne das wir uns dabei dämlich vorkamen. Der Breakdance sollte auf der Bühne auf keinen Fall untergehen. Was Baletttänzer mit ihren Füßen machen, machen wir mit unseren Händen.

Habt ihr vorher klassische Musik gehört?

Man kommt ja an Klassik nicht vorbei. Aber keiner von uns hat privat Klassik gehört. Meine Schwiegermutter hat mich mal zu einem Konzert geschleppt, doch ich habe mich so gelangweilt, dass ich die Zeit nur abgesessen habe.

Hand aufs Herz: Zu welcher Musik breakt es sich am Besten?

Ich tanze immer noch am liebsten zu Klassikern der Popmusik, wie James Brown und Michael Jackson.

Für die Show habt ihr euch die Tänzerin Yui Kawaguchi ins Boot geholt. Wie schwer war es für sie allein unter Männern?

Wir sind eine eingespielte Truppe. Wir kennen unsere Stärken und wissen, wie jeder tickt. Da ist es natürlich besonders schwer als Fremde dazuzustoßen – und dann auch noch aus einem ganz anderen Tanzstil. Deshalb haben wir besonders darauf geachtet, dass sie sich wohl fühlt. Doch wenn wir uns für die Proben um acht verabreden, kommen alle selbstverständlich erst um neun, aber das hat sie akzeptiert.

Wie lange habt ihr geprobt?

Wir haben acht Wochen lang zehn Stunden täglich trainiert.

Trotz aller Proben, ist doch auch mal etwas schiefgelaufen, oder?

Die Tour 2011 haben wir selbst organisiert und veranstaltet. Da hatten wir besonders viel Angst, dass etwas schief laufen könnte. In München verrutschte die Tanzfläche um einige Meter während einer Show. Die Bühne war zwei Meter hoch, doch wir haben einfach weiter getanzt. Die Bühnentechniker haben das dann wieder zurecht gerückt. Es ist nichts passiert, wir haben das Glück scheinbar gepachtet.

Heute tanzt ihr eure letzte Show in Frankfurt. Was macht ihr nach Feierabend?

Vielleicht gehen wir noch was essen, aber wir werden völlig kaputt sein. Wir sind gerne in Frankfurt. Hier haben wir auch Freunde aus der Szene.

Eure Europatour war innerhalb zwei Wochen komplett ausverkauft und ihr habt mit der Show den ECHO Klassik Sonderpreis gewonnen. Habt ihr schon etwas Neues geplant?

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Es stehen noch weitere Termine auf dem Tourplan. Die Show hat eingeschlagen wie eine Bombe. Wir haben jetzt das Glück, das alle mit uns arbeiten wollen. Wir bekommen Anfragen aus der ganzen Welt. Wir werden etwas Anderes machen, aber es muss neu und besser sein. Ob es wieder mit klassischer Musik zu tun hat, ist noch nicht klar.

Quelle: op-online.de

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