Wiener Burgtheater mit „Der Weibsteufel“ zu Gast in Wiesbaden

Intrigen im Dreieck

Großes Schauspielertheater bei den Maifestspielen: Birgit Minichmayr und Werner Wölbern Foto: Kaufhold

Wiesbaden - Alles ist aus dem Lot geraten: Riesige Baumstämme liegen wie gefallene Streichhölzer auf der Bühne des Wiesbadener Staatstheaters. Dazu nur kahles Neonlicht und drei Schauspieler. Von Axel Zibulski

Mit Karl Schönherrs Stück „Der Weibsteufel“, am Burgtheater Wien 1915 uraufgeführt, ist das Traditionshaus zu den Maifestspielen gereist, hat Martin Kusejs drei Jahre alte Neuinszenierung mitgebracht und zeigt eine Lesart, die mit Schönherrs Tiroler Idiom wenig, mit Dramen von Strindberg oder Ibsen umso mehr zu tun hat.

Eine Frau zwischen zwei Männern, „Der Mann“, der sein Geld mit Schmuggel verdient, der „junge Grenzgänger“, der vom neuen Jäger auf die Frau angesetzt wird, um sie zur Denunziation des eigenen Gatten zu bewegen. Sie freilich spielt ihr eigenes Spiel und die beiden Männer gegeneinander aus. Das neue Haus gehört nach dem blutigen Ende ihr, ihre eigene Waffe ist anderthalb Stunden lang die Intrige.

Martin Kusej und sein Bühnenbildner Martin Zehetgruber erzählen die Dreiecksgeschichte in aller Essenz, mit knappen Szenen, zwischen die sich schnell Dunkelheit und die harten Beats der Musik von Bert Wrede mischen. Mit einem österreichischen Idiom, das sich zugleich nie aufdrängt. Mit Dialogen, die aufs Wesentliche verkürzt sind und auf die Kinderlosigkeit der Frau ebenso zu sprechen kommen wie sie latente Aggressionen, Gier und Kälte preisgeben. Und schließlich mit drei wunderbaren Schauspielern.

Denn die Erwartung an großes Schauspielertheater löste dieses Gastspiel aus Wien uneingeschränkt ein. Im Zentrum steht natürlich Birgit Minichmayr als „Frau“, zugleich dem Stück seinen teuflischen Namen gebend. Kühle und Kalkül, aber auch aufgestaute Emotionen spielte Minichmayr mit grandios herber Sprache aus.

Werner Wölbern als ihr Mann gibt den Schmuggler so schillernd, wie es zum Zwielichtigen in Kusejs Inszenierung ideal passt. Und Nicholas Ofczarek spielt den Grenzgänger viril, aber keinesfalls naiv. Das würde zu dieser Entkleidung des Stücks von allem Volkstümlichen auch nicht passen. Dennoch wollte nicht allen im Publikum das Lachen im Hals stecken bleiben. Schade; der große Beifall am Ende war freilich hoch verdient.

Quelle: op-online.de

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