Intrigen im Geisterwald

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Der schrille Inszenierungsstil von Rainer Pudenz ist bei der Opernproduktion in der Konzertmuschel des Palmengartens gut zu erkennen.

Musikalische Finesse, flunderplattes Libretto: Für Otto Nicolais Singspiel „Die lustigen Weiber von Windsor“ hat Textschuster Salomon Hermann Mosenthal das schwache Lustspiel gleichen Titels von William Shakespeare vergröbert. Von Stefan Michalzik

Auch hat er das Stück auf das Komödiengerippe um eine Rache-Intrige mit beiläufiger Verheiratung einer Tochter heruntergebracht.
Dass sich die einzig geläufige unter Otto Nicolais fünf Opern im Repertoire verankerte, ist der bewundernswerten Leichtigkeit zu verdanken, mit der er deutsche Romantik und sprühende Italianità überein brachte – ein gefundenes Fressen für die Frankfurter Kammeroper und ihre Sommersaison in der Konzertmuschel des Palmengartens. Satztechnische Feinheiten, schwelgerischer Reichtum an Melodien, lyrische Arien und effektsichere Ensembles weisen die komisch-fantastische Oper von 1849 mit Finale im Geisterwald der deutschen Romantik als Großwurf auf Augenhöhe mit Mozart, Rossini und Donizetti aus, den Hausgöttern des Kammeroper-Gründers und Regisseurs Rainer Pudenz.

Tiefen Lagen der Basspartie lassen Wünsche offen

Nachdem Pudenz mit Verdis „Rigoletto“ 2009 erstmals einen ernsten Stoff inszenierte und es den Anschein hatte, er habe spät zu seiner wahren Bestimmung gefunden, nun die Rückkehr zum Bewährten. Zwei von Margarete Berghoff edelschrill kostümierte Ehefrauen reifen Alters wedeln zu Beginn aufgeregt mit gleichlautenden Briefen ein und desselben Verehrers. Worauf die Komödie losklappert, bis nach allerlei Geplänkel am Ende alle glücklich sind – außer dem einsam ein Trinklied anstimmenden Falstaff, dessen wahre Tragik sich freilich erst vier Jahrzehnte später in Verdis Oper erschließt.

Das musikalisch-interpretatorische Niveau ist höchst achtbar. Mit behutsamem, aber nicht zaghaftem Zugriff besorgt der junge Dirigent Florian Erdl eine konturenscharfe Gestaltung des Orchesterklangs und des Chors. Aus dem formidablen Solistenensemble stechen vor allem die Koloratursopranistinnen Christine Graham und Dzuna Kalnina als rachelüsternes Weiberduo hervor. Premieren-Falstaff Bernd Kaiser – alternierend mit Jürgen Orelly, Sänger des Brautwerbers Dr. Cajus – lässt in tiefen Lagen der Basspartie Wünsche an Fülle offen.

Pudenz lebt im reduzierten, nach Haussitte um ein Gemälde von Mateo Vilagrasa gruppierten Bühnenbild von Beatriz Bobenrieth seine Neigung, das Offensichtliche noch zu betonen, vergleichsweise moderat aus. Mehr ist kaum zu erwarten!

Weitere Aufführungen am 23., 24., 25., 28., 30. 31. Juli, 1., 4., 6., 7., 8., 11., 13., 14., 15. August.

Quelle: op-online.de

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