Islamisten als Lachnummer

+
Möchtegern-Terrorist: Adeel Akhtar als Faisal in der britischen Komödie „Four Lions“, die übermorgen in den deutschen Kinos anläuft.

Die Fragen sind so alt wie die Kunstform selbst: Was darf Satire? Worüber darf gelacht werden und welche Themen sind tabu? In Deutschland galt der Nationalsozialismus lange als ein Tabu-Thema für Späße aller Art. Als Regisseur Dani Levy im Jahr 2007 die Hitler-Satire „Mein Führer“ inszenierte, hagelte es Kritik. Von Britta Schultejans

Sogar Hauptdarsteller Helge Schneider distanzierte sich von dem Film. An die Spitze der Kinocharts schaffte es Hitler als Lachnummer trotzdem.

Der britische Film „Four Lions“ von Regisseur Chris Morris hat schon vor seinem Kinostart in Deutschland ähnliche Reaktionen ausgelöst – zumindest in der CSU. Denn er macht sich lustig über Selbstmordattentäter und bricht damit ein weiteres Tabu. „Natürlich muss Satire zulässig sein. Aber ich glaube, man muss schon aufpassen derzeit, was den Umgang mit dem Islam anbelangt in Deutschland“, sagt der christsoziale Bundestagsabgeordnete Stephan Mayer und verweist auf die dänischen Mohammed-Karikaturen, die einen Aufschrei in der arabischen Welt und gewalttätige Protestaktionen nach sich zogen.

Wohl wegen ähnlicher Bedenken dauerte es relativ lange, bis sich in Deutschland ein Verleih fand, der die Terror-Komödie in die Kinos bringen wollte. In England kam der Film schon vor einem Jahr ins Kino, inzwischen gibt es ihn dort bereits auf DVD.

„Wir haben in der Tat auch abgewartet, wie der Film beim deutschen Publikum ankommt – und dann beim Fantasy Filmfest gemerkt, dass er hier bestens funktioniert“, sagt der Geschäftsführer des Berliner Verleihs Capelight Pictures, Steffen Gerlach. „Der Film eckt zwar an, überschreitet aber keine Grenzen. Er macht sich nicht über den Islam lustig, sondern es wird sowohl über die Terroristen gelacht, als auch über Polizisten.“

Der Film von Satiriker Chris Morris, der für dieses Regie-Debüt in seiner Heimat den renommierten BAFTA-Award als bester Newcomer bekommen hat, basiert auf der sogenannten „Bunch of Guys-Theory“ (etwa: Männergruppentheorie) – und die ist tatsächlich Teil der Terrorismusforschung. „Terroristen sind nun einmal in erster Linie eine Gruppe von Männern, und sie machen Fehler wie eine Gruppe von Männern. Sie benehmen sich nicht perfekt“, erläutert Morris, der keinerlei Bezüge seines Films zum Karikaturenstreit herstellen möchte. „Beides ist nicht miteinander zu vergleichen.“

Seinem Film gelingt es, vor allem eins zu zeigen: Die Absurdität von Terrorismus. In mit wackeligen Kameraeinstellungen gefilmten Szenen zeigt Morris die „vier Löwen“, die eigentlich zu fünft sind, bei dem Versuch, sich auf ein geeignetes Terrorziel zu einigen und dabei, wie sie immer wieder versehentlich etwas in die Luft jagen, was sie eigentlich gar nicht treffen wollten.

Die jungen Männer wollen mitmachen beim Dschihad, wissen aber nicht wie und stehen sich nur selbst im Weg. Die Polizei nämlich macht Jagd auf streng gläubige Muslime und ignoriert die gut integrierten „Lions“, die einen Anschlag auf den London Marathon planen. „Es gibt viele genau dieser jungen Männer, die sich in Terrorzellen engagieren und am Dschihad beteiligen wollen. Der Film spiegelt da die Realität wider“, sagt Morris.

Quelle: op-online.de

Kommentare