Ein Jahrzehnt im Dauerstreit

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Traumtänzer, geerdet: Gabriele Meyer und Jörg Zick.

Frankfurt - Seit 25 Jahren teilen sie Tisch und Bett und gehen einander bei jeder Gelegenheit gehörig auf die Nerven: Herbert und Brigitte Schwerdtfeger – ein Ehepaar, wie es im Buche steht. Von Maren Cornils

Nicht die Silberhochzeit, aber auch ein Jubiläum galt es für die Darsteller der „Schwerdtfegers“ zu feiern: Gabriele Meyer und Jörg Zick, die vor zehn Jahren mit „Die Schwerdtfegers im Bett“ in Frankfurt Premiere gefeiert hatten. Dabei gibt es die streitbaren Kunstfiguren wesentlich länger: Schon seit Anfang der 80er Jahre taucht das Ehepaar Schwerdtfeger in diversen Programmen der „Traumtänzer“ auf. Ausreichend Zeit also für eine vergnügliche Vergangenheitsbewältigung unter dem Titel „Die Schwerdtfegers feiern Jubiläum“, zu der Freunde und Wegbegleiter in die Käs Frankfurt eingeladen waren.

Bevor angestoßen wird, dürfen Herbertsche und Brigitte zwei Stunden lang babbeln, sich nach Herzenslust das Maul über andere Paare zerreißen und einander wortreich das Leben zur Hölle machen. Und auf Letzteres verstehen sie sich bestens. Genüsslich werden allerlei Geschlechterklischees platt getreten, wird mit Leidensmiene Bilanz des mittlerweile 25 Jahre andauernden Ehemartyriums gezogen: „Was reizt disch eischentlisch noch an mir?“ „Ei, ganz ehrlisch, Brigitte – jedes Wort!“

Nervige beste Freundinnen

Während Brigitte sich wortreich über den langweiligen Göttergatten („unsere Beziehung ist mittlerweile rein planktonisch“) und dessen Fantasielosigkeit auslässt, klagt der biedere Sparkassenangestellte über die schwiegermütterliche Invasion, den Redezwang seiner Holden und deren geistiges Niveau. Was Brigitte, die mit ihrem Nagelstübchen zur freien Unternehmerin avanciert ist, nicht davon abhält, sich für das RTL-Quiz „Wer wird Millionär?“ zu bewerben: „Ich habe das Leben studiert und weiß von jedem ebbes!“

Nervige beste Freundinnen, lebenslustige Schwiergermütter, liebestolle Italienerinnen – statt sich mit zunehmendem Alter gemütlich im Leben einzurichten, muss sich Herbert mit so manchem, natürlich vom anderen Geschlecht verursachten, Problem herumschlagen – „isch hab ja ned nur die Mutti. Ich hab ja auch noch de Brigidde“ – und ist nicht einmal vor einem Besuch im Eros-Center sicher. Dass der gut gemeinte Versuch, Pep in die angestaubte Zweisamkeit zu bringen, in einem Debakel endet, versteht sich von selbst.

Ein eloquent-amüsanter Geschlechterkrieg, bei dem die Bühne zum Kriegsschauplatz avanciert und in dessen Verlauf zwei bestens aufgelegte Darsteller unter der Regie von Anne Gregorio beweisen, dass verbale Gemeinheiten die beste Art sind, den anderen früh ins Grab zu treiben. Keine Frage: Brigitte und Herbert gehen in die nächste Runde!

Quelle: op-online.de

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