Japanisch weinen und lachen

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Eine Filmszene aus „No More Cry!!!“ von Regisseur Nobuo Mizuta. Zu sehen am Samstag, 17. April, um zwölf Uhr bei der Nippon Connection.

Frankfurt - Einige Leute versuchen sich im Gang an den Spielekonsolen, im Nebenraum wird an Computern gezockt, und aus dem Konzertraum dringt ein schrilles Gitarrensolo, begleitet von schrägem Gesang. Von Melanie Luke

Eine Szenerie, wie man sie in Kürze wieder im Studierendenhaus in Bockenheim erleben wird. Marion Klomfass wirkt angesichts dessen ziemlich entspannt. Das ist erstaunlich, steckt sie doch mitten in den Vorbereitungen zu dem japanischen Filmfest. Und noch dazu wird die Nippon Connection zehn Jahre alt.

„Das Festival ist prall gefüllt wie immer“, sagt Mitinitiatorin Klomfass. Das andere Gründungsmitglied, Holger Ziegler, steckt mitten in seiner Doktorarbeit. Deshalb bleibt momentan viel Arbeit an Klomfass hängen. Aber die beiden haben mit ihren zahlreichen ehrenamtlichen Helfern vor Ort und in Tokio auch in diesem Jahr wieder ein anspruchsvolles Programm zusammengestellt: Rund 150 Kurz- und Langfilme aus den Bereichen Cinema, Retro, Digital und Culture werden von Mittwoch, 14., bis Sonntag, 18. April, bei der zehnten Nippon Connection zu sehen sein.

Klomfass und Ziegler legen großen Wert auf Vielfalt, deshalb reicht das Programm vom studentischen Kurzfilm über aufwändige Animes und sozialkritische Milieustudien bis zu Dokumentationen.

Viele Regisseure werden extra aus Japan anreisen

Zum ersten Mal wird der Nippon Digital Award für den besten digitalisierten Film vergeben, ermittelt von einer Fachjury. Dem Sieger winkt eine finanzierte Untertitelung seines Filmes. Neu ist in diesem Jahr auch, dass einige in Japan bekannte Schauspieler selbst Regie geführt haben wie bei den beiden Filmen „Toad's Oil“ und „Oh, my Buddha!“. Viele der Regisseure werden extra aus Japan anreisen, um bei dem Filmfestival dabei zu sein.

„Wir haben uns mittlerweile einen sehr guten Ruf in Japan erarbeitet“, berichtet Klomfass. Die Nippon Connection gilt mittlerweile als eines der weltweit größten Festivals des Japanischen Films. Für viele Nachwuchsregisseure ist es deshalb eine gute Adresse, um den eigenen Film vorzustellen. Manchmal sind die Ausmaße, die die Nippon Connection seit ihrer Gründung Ende der neunziger Jahre angenommen hat, selbst Klomfass „etwas unheimlich“. Damals hatten Klomfass und Ziegler die Idee, ein paar japanische Filme vorzuführen. Im kleinen Kreis, in ihrem studentischen Umfeld. Damals steckten beide noch mitten in ihrem Studium der Theater-, Film- und Medienwissenschaft.

Sie bedauerten, dass es in Frankfurt kaum asiatische Filme zu sehen gab. 13 Filme hatten sie bei der allerersten Nippon Connection im Programm und wurden gleich zu Beginn von Besuchern überrannt – 10.000 waren es. Ein Ansturm, mit dem keiner gerechnet hatte. Außerdem sollte die Nippon Connection nur eine einmalige Angelegenheit sein. Klomfass machte zunächst ihren Abschluss, 2002 entschieden sie sich, weiter zu machen. „Manchmal fühle ich mich wie zwei Personen“, sagt sie über ihre Arbeit. Denn neben der Organisation der Nippon Connection arbeitet sie als freie Cutterin beim Hessischen Rundfunk und betreut außerdem noch das Exground-Filmfestival in Wiesbaden.

Die Nippon Connection gastiert vom 14. bis zum 18. April im Studierendenhaus, Jügelstraße 1, auf dem Campus Bockenheim. Das komplette Programm gibt‘s auf der Internetseite der Nippon Connection.

Die Größenordnung der Nippon Connection sei zwar stetig gewachsen, so Klomfass, aber der Anspruch der beiden Initiatoren sei immer derselbe geblieben. „Jeder soll sich seine eigene Meinung über Japan bilden“, so Klomfass. Sie will kein bestimmtes Bild, keinen Exotismus, keine Klischees heraufbeschwören. Nicht nur das außergewöhnlich abwechslungsreiche Filmprogramm entwirft ein differenziertes Bild des Landes in all seinen Facetten. Auch das Rahmenprogramm mit Partys, Konzerten, Workshops und einer Videospielhölle zeigt die unterschiedlichen Aspekte japanischer Kultur.

Quelle: op-online.de

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