Krimi-Autoren Volker Klüpfel und Michael Kobr

Jeder kennt einen Kluftinger

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Krimi-Stunde mit Kluftinger: Volker Klüpfel und Michael Kobr machen ihre Lesungen zum Bühnenereignis.

Offenbach - Sie sind das meist gefeierte Autoren-Duo Deutschlands: Volker Klüpfel und Michael Kobr eroberten mit Geschichten um den Kommissar Kluftinger vom Allgäu aus die Bestsellerlisten. Über 4,5 Millionen Krimis wurden schon verkauft. Von Lena Marie Jörger

Beschreiben Sie doch mal die Figur Kluftinger für alle, die sie noch nicht kennen.

Kobr: Der Kluftinger ist ein Allgäuer, wie man ihn sich vielleicht landläufig so vorstellt: Der redet nicht viel, ist ein bisschen mürrisch und verschlossen und versucht, möglichst ohne großes Anecken und große Anstrengung durch seinen Alltag zu kommen. Das vermiesen wir ihm aber regelmäßig.

Sind Sie beide denn typische Allgäuer? 

Klüpfel: Ja!

Kobr: Also der Volker ja. Ich bin mehr so der weltoffene (lachen beide).

Ist die Figur Kluftinger das Erfolgsgeheimnis der Krimis?

Klüpfel: Sie sind einfach sehr gut geschrieben (grinst)!

Kobr: Es geht schon über die Figur. Wahrscheinlich auch die Figurenkonstellation: Kluftinger steht ja in einem Spannungsfeld zwischen seiner Frau, seinem Gegenpart Dr. Martin Langhammer und seinem Sohn Markus, der versucht, ihm Modernität näher zu bringen. Womit er sich da so herumschlagen muss, das kommt bei den Lesern an. Und ich glaube, jeder kennt einen Kluftinger. Wenn sich die Leute selber nicht darin sehen, dann ist es eben der Nachbar. Ich glaube, das ist eine große Identifikationsfläche.

Warum wehren Sie sich gegen das Prädikat Regionalkrimi? 

Klüpfel: Weil’s keiner ist. Es ist ein Krimi, der irgendwo spielt wie alle anderen auch. Wir schreiben eine Geschichte, die auch woanders funktionieren könnten. Aber wir schildern sie in der Umgebung, in der sie spielt – bei uns im Allgäu, weil wir da herkommen – plastisch und lebendig.

Es wird oft kritisiert, dass Sie viele Klischees bedienen ... 

Klüpfel: Wir nehmen Klischees und wenden sie entweder eins zu eins an – das in der Regel aber selten – oder wir spielen damit. Klar, wir überhöhen satirisch. Die Polizeibeamten, bei denen wir für unsere Bücher recherchieren, sagen oft: Schreibt das bloß nicht so, wie’s ist, weil Polizeialltag natürlich nicht immer spannend ist. Also verdichten wir ihn mit komödiantischen Elementen.

Haben sich Allgäuer darüber beschwert, wie Sie sie in den Büchern darstellen?

Kobr: Eigentlich beschweren sich Allgäuer nicht oft.

Klüpfel: Einmal hat uns ein Bauer geschrieben. Er wollte eine Gegendarstellung – obwohl ich nicht weiß wie das in einem Buch überhaupt gehen soll –, weil in unserem ersten Buch „Milchgeld“ der Bösewicht etwas Schlechtes über Bauern sagt. Das wollte der Mann richtig gestellt haben.

Kobr: Aber aus den Büchern ist ja auch ein gewisser Allgäu-Tourismus entstanden. Von daher sind die Leute gar nicht so abgeneigt.

Kluftinger selbst ist ja nicht gerade der reiselustigste Mensch. Was glauben Sie, würde er denn von Hessen halten?

Kobr: Viele Hessen stehen ja zu ihrem Dialekt. Dieses Verwachsen-Sein mit der Region, das würde ihm bestimmt gefallen.

Klüpfel: Ja, wenn er’s daheim im Fernsehen sieht.

Kobr: Naja, ich weiß nicht. Ich könnte mir auch vorstellen, dass ihm die hessische Küche ganz gut gefallen würde.

Klüpfel: Wenn im Allgäu eine hessische Kneipe aufmachen würde (grinst).

Im neuen Buch „Herzblut“ fallen die Mordfälle etwas brutaler aus. Warum?

Kobr: Die Handlung im sechsten Buch war eine andere. Von daher war klar, dass Buch Nummer sieben wieder ein klassischer Krimi sein soll.

Klüpfel: Sagen wir es mal ganz platt: Die Leute wollen Blut sehen. Wir bewerten das nicht, aber es ist so. Im neuen Buch ist der Mord, der da begangen wird, schon brutal. Aber wir schildern die Tat nicht, wir weiden uns nicht daran. Es wird einfach kurz gesagt, wie diese Menschen zu Tode gekommen sind.

Haben Sie schon überlegt, mal was anderes zu schreiben?

Beide: Ja!

Kobr: Wir haben schon ein paar Ideen, die quasi auf eine Ausführung warten.

Warum machen Sie keine „normale“ Lesung?

Kobr: Weil’s mehr Spaß macht – den Leuten und uns.

Wie entstand die Idee dazu?

Kobr: Wir sind seit zehn Jahren unterwegs und haben schon lange festgestellt, dass das, was wir machen, mit einer klassischen Lesung nicht mehr viel gemein hat. Wir sind zu zweit, da ist die Voraussetzung schon eine ganz andere. Und wir haben gemerkt, dass es eigentlich schöner ist, wenn die Leute viel lachen.

Klüpfel: Die Menschen brauchen uns auch nicht, nur damit wir ihnen das Buch vorlesen, denn das können sie selber.

Was war das schrägste Erlebnis, das Sie auf Tour hatten?

Kobr: Naja, in den ersten Jahren haben wir wirklich nichts abgelehnt. Und da haben wir schon einiges durch, was es so gibt. Einmal haben wir in einer Sauna gelesen.

In einer Sauna?

Kobr: Ja, in einem Ruheraum. An einem Freitagabend. Die Leute wollte eigentlich ihre Ruhe haben, noch dazu hatte uns niemand angekündigt. Wir sind da dann reingegangen und haben gesagt: So, wir lesen jetzt aus unserem Buch.

Wie waren die Reaktionen?

Klüpfel: Ruhig, wie das in einem Ruheraum so ist (lacht).

Kobr: Ein paar fanden es ganz gut, aber einige sind gegangen.

Quelle: op-online.de

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