Jenseits von Fukushima

Frankfurt - Seit elf Jahren bemüht sich die „Nippon Connection“, das ehrenamtlich organisierte internationale Festival japanischen Films in Frankfurt, den Blick des westlichen Kinopublikums auf japanisches Kino und damit auch auf seine Kultur zu lenken. Von Melanie Gärtner

Derzeit vergeht kaum ein Tag, in dem Japan nicht präsent ist – für die Festivalorganisatoren eigentlich ein Grund zur Freude, wären die Botschaften nicht so furchterregend und von menschlichem Leid geprägt.

Die Dreifachkatastrophe mit Erdbeben, Tsunami und der Havarie in Fukushima hatten die Festivalmacher in tiefe Zweifel gestürzt. Wie sollte man angesichts der Ereignisse noch an die Organisation einer Kulturveranstaltung denken? „Wir haben ernsthaft darüber nachgedacht, das Festival in diesem Jahr abzusagen“, sagt Festivalleiterin Marion Klomfaß. „Wir haben uns lange mit unseren japanischen Kollegen darüber ausgetauscht, sind aber zu dem Schluss gekommen, dass es ein gänzliches falsches Signal wäre. Gerade jetzt ist es wichtig, ein Japan jenseits der Katastrophenbilder zu zeigen und den Blick wieder nach vorn zu richten.“

Die Nippon Heimkino Show scheint nicht angemessen

Dies scheinen die japanischen Filmemacher nicht anders zu sehen: keiner der über 60 geladenen Gäste wollte angesichts der Umstände absagen. Ganz spurlos gehen die Ereignisse an dem vom 27. April bis 1. Mai in verschiedenen Sälen stattfindende Festival allerdings nicht vorüber. Roberto Cappelluti hat seine Show ‚Nippon Heimkino’ abgesagt, da die witzig kommentierte Schau eines Trashfilms aus den 70er Jahren nicht angemessen schien. Zudem gehen bei der Spendenaktion „Help Japan“ 50 Cent jeder verkauften Karte und die Erlöse der Festivalparty an die Initiative „Aktion Deutschland hilft“.

Außerdem konnten die Organisatoren die japanische Dokumentarfilmemacherin und Anti-Atom-Aktivistin Hitomi Kamanaka für ein Sonderprogramm gewinnen. Bereits seit 2003 versucht die Regisseurin mit Filmen wie „Rokkasho Rhapsody“ und „Ashes to Honey“ ein Bewusstsein für die Gefahren der Atomenergie zu wecken. Sie wird die Filme in zwei Sonderveranstaltungen präsentieren.

Europa- und Deutschlandpremieren in Frankfurt

Trotz der Schwierigkeiten hat das Festivalteam den Standard seines gewohnt umfang- und abwechslungsreichen Programms gehalten. Unter den über 100 Produktionen sind einige Europa- und Deutschlandpremieren. So wird Yasutaka Naganos Film „Karate-Robo Zaborgar“, die Geschichte eines gutartigen Kampfroboters, der die Welt rettet, zum ersten Mal auf deutschem Boden präsentiert. Die Verfilmung der Manga-Serie „Gantz“ von Shinsuke Sato, in der zwei junge Erwachsene in einer Parallelwelt gegen Außerirdische kämpfen müssen, um ins normale Leben zurückkehren zu können, feiert sogar Weltpremiere.

Die weltberühmten Ghibli-Studios, bekannt durch Filme wie „Prinzessin Mononoke“, versetzen den Zuschauer in „Arrietty“ in die Perspektive einer Familie in Däumelingsgröße, die sich irgendwann die Frage stellen muss, ob ein friedliches Zusammenleben mit den Menschen überhaupt möglich ist.

Weitere Informationen gibt es unter:

www.nipponconnection.com

Wie jedes Jahr bietet das Festival zahlreiche kulturelle Angebote, von Shiatsu-Workshop bis Teezeremonie. Unter dem Titel „Nippon Kids“ gibt es auch ein Kinderprogramm – eine Kindertagesbetreuung für filmbegeisterte Eltern inklusive.

Quelle: op-online.de

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