Brüder im Hunger

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Fischer ( Martin Zuh r, l.) und Kaminski ( Ralf Komorr) scherzen mit Lucy ( Kim Zarah Langner).

Frankfurt - Wer 500 Euro pro Tag dafür löhnt, um nur mit einem Krug Zitronenwasser verköstigt zu werden, der hat entweder zu viel Geld oder ein Gewichtsproblem, ganz sicher aber eines: schlechte Laune. Von Maren Cornils

So geht es auch Amadeus Fischer, dem Hauptdarsteller von „Ein Joghurt für Zwei“, das jetzt in der Komödie Frankfurt Premiere hatte. Der millionenschwere Immobilienspekulant unterzieht sich in der Klinik von Dr. Schmalkopf einer Diät und hadert dabei mächtig mit dem dort herrschenden, beinahe militärischen Gesundheitsdrill. Seine Laune bessert sich erst, als eines Tages Knastbruder Kurt Kaminski bei Fischer einsteigen und den hungerleidenden Sanatoriumsgast zwingen, ihn bei sich zu verstecken. Eine Bitte, die Probleme nach sich zieht, schließlich geht es in Fischers Zimmer zu wie im Taubenschlag, und wo sich zwei hungrige Männer um einen Diätjoghurt streiten, ist Stress ohnehin vorprogrammiert. Nur gut, dass sich Fischer als ebenbürtiges Schlitzohr erweist und die beiden Hungerleider ganz ungewollt zu Komplizen werden.

Martin Zuhr spielt Amadeus Fischer als Mann mit Humor, Bauch und dickem Portemonnaie, ein sympathischer Filou, der dem Leben, gutem Essen und schönen Frauen nicht abgeneigt ist und viel zu sehr Genussmensch ist, um in das Konzept der Schmalkopfschen Klinik zu passen. Seinen Counterpart findet Fischer in dem entsprungenen Häftling Kaminski (Ralf Komorr), mit dem ihn nicht nur - ganz profan - der leere Magen sondern auch das Faible für große und kleinere Gaunereien verbindet. Und so wundert es denn auch wenig, dass das ungleiche Duo sich nicht nur gegenseitig auszutricksen versucht, sondern auch schon bald die letzte Karotte miteinander teilt. Dass Kaminski Fischer dabei hilft, die nervtötende Gattin (Arzu Ermen) vor die Tür zu setzen, schweißt beide nur noch näher zusammen.

Amüsante Männerfreundschaft

Zum Hochgenuss wird Fischers und Kaminskis Auftritt dadurch, dass die so wundersame wie amüsante Männerfreundschaft nicht nur in dem gut geschriebenen Drehbuch von Stanley Price steht. Auch in realiter stimmt die Chemie zwischen Martin Zuhr und Ralf Komorr, die mit fast jedem Satz eine Pointe liefern, mit viel Wortwitz agieren („Geld ist nur so lang was wert, bis die Frau davon erfährt“) und die ausgefallensten Ideen entwickeln, um irgendwie doch an Nahrung zu kommen. Dass die Zuschauer mehr als Sympathie für die beiden Schlitzohren hegen, liegt zum einen an dem mitleiderregenden Essensangebot, zum anderen an Jens Hajek. Er spielt die Rolle des braun gebrannten und etwas schmierigen Diätpapstes perfekt, und wenn er einem völlig unterzuckerten Fischer mit jovialem Schulterklopfen rät, „nehmen sie einfach mehr ab – dann erscheint Ihnen auch das Zimmer viel größer“, dann bekommt man tatsächlich fast so etwas wie Mitleid. Als echte Augenweide in dieser kalorienarmen Umgebung erweist sich die kesse Schwester Lucy (Kim Zarah Langner), die bei Amadeus Frühlingsgefühle entfacht.

Weitere Aufführungen bis 1. Juli in der Komödie Frankfurt

„Ein Joghurt für Zwei“, bei dem übrigens der Komödie-Besuchern bestens bekannte Manfred Molitorisz Regie führte, ist eine heitere Posse, die den herrschenden Schlankheitswahn ordentlich auf den Arm nimmt und klar macht: Wer hungert, lebt nicht zwangsläufig gesünder! Getragen wird die turbulente Komödie von zwei hervorragenden Hauptdarstellern und jede Menge guten Gags („ich habe solchen Hunger – ich lese schon nur noch das Fettgedruckte“) – ein Theaterstück, das erfrischenderweise mal nicht auf dem etwas abgegriffenen Prinzip „untreuer Ehemann/Ehefrau mit Doppelleben“ basiert und trotzdem höchst amüsant ist.

Quelle: op-online.de

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