Erzählton wunderbar getroffen

Frankfurt - Kein charmanter Schwindler, sondern ein seliger Säufer erwartete das Publikum im Schauspiel am Samstag: Die geplante Premiere der „Bekenntnisse des Hochstaplers Felix Krull“ nach Thomas Mann wurde kurzfristig verschoben – „aus künstlerischen Gründen“, wie es hieß. Von Markus Terharn

Mehr als nur Ersatz lieferte „Die Legende vom heiligen Trinker“, von Joseph Roth im Paris des Jahres 1934 angesiedelt und ebenda 1939 als letztes Werk des genialen jüdisch-österreichischen Romanciers vollendet, ehe der Exilant den Folgen seiner Alkoholsucht erlag. .

In der Übernahme vom Theater Basel ist das neue Ensemblemitglied Peter Schröder als Ein-Mann-Schau ein Ereignis. Mit Anzug und Krawatte, nicht gar so abgerissen wie der Protagonist, schreitet er das Podest aus, das vor dem Eisernen Vorhang in die vorderen Zuschauerreihen ragt. 15 Kaffeehausstühle türmen sich hinten rechts zu einem Haufen. Am Ende sind die meisten säuberlich vorn aufgestellt, nachdem sie als Sitzgelegenheit oder als Badewanne gedient haben. Der rote Teppich, der die Bühne teilt, wird erst sorgsam übergangen, dann souverän betreten. Die Kinoleinwand an der Rückwand bleibt, anders als auf Fotos von der schweizerischen Produktion, weiß. Schröder trinkt nichts, er raucht. Mehr Aktion ist nicht.

Die Regie unterlässt jeden Versuch, Roths schwereloser Prosa eine dramatische Dialogstruktur überzustülpen. Schröder rezitiert den Originaltext auswendig, in anderthalb Stunden. Er vermeidet den Fehler, dessen märchenhaften Erzählton künstlich aufzumotzen. Die Geschichte des Obdachlosen Andreas, der durch wundersame Zufälle immer wieder an Geld gelangt, das er der heiligen Therese von Lisieux zu schulden meint und das er in Cafés, Tavernen, Restaurants doch immer wieder verzecht: Sie lebt allein von Schröders angenehmer Stimme; von seiner Mimik, die das Staunen über die Fügungen des Schicksals nicht verlernt hat; von seiner Gestik, die nie zu sehr verdeutlicht.

Ein wenig übertrieben wirkt da der einzige Gefühlsausbruch. Stärker berühren innige Musikeinspielungen, wenn der Clochard an bessere, vergangene Zeiten denkt. Subtil ist die Lichtführung. Groß ist der Gesamteffekt, erzielt mit einfachen Mitteln.

‹ Auch 11. November, 7. und 30. Dezember

Quelle: op-online.de

Rubriklistenbild: © Gabi Schoenemann/pixelio.de

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