Projektensembles des Tanzlabor 21 im Frankfurter Mousonturm

Jugend forsch

Weiße Luftballons kullern, von Ventilatoren angetrieben, auf der Bühne herum. An Schneemänner erinnert die Reihe von fünf Ballongestalten. Stimmen aus drei Kassettenrekordern – dinosaurierähnliche Technik aus prädigitalen Zeiten – künden von Erinnerungen an Tanz-Hits, deren Saison Jahrzehnte zurückliegt. Das Arrangement in Weiß kommt anfänglich einer Kunstinstallation nahe.

„Who the fuck is Macarena?“, das im Studio gezeigte Stück eines unter dem neutralen Signum Projektensemble PET 3 und 4 firmierenden Doppelabends im Frankfurter Mousonturm, macht sich die Erfahrung des Gruppentanzes zum Motiv. Tanzfilme oder die Choreografien von Popkünstlern liefern in der heutigen Tanzboden-Variante das Anschauungsmaterial. Die Schnipsel von Interviews mit Tänzern und Nichttänzern verdichten sich in der Arbeit von Sarah Bonnert und Susanne Zaun zu einer Polyphonie der Stimmen. Es ist viel beiläufige Komik im Spiel, wenn es um die Rekonstruktion von Schrittfolgen geht. Die Texte gehen über auf die fünf Tänzerinnen und Tänzer, die sich nach und nach aus den Ballonfiguren herausschälen.

Das gemeinschaftliche Vergnügen, um das es im Gruppentanz geht, ist natürlich alles andere als frei von Zwängen: Es ist auch das Verhältnis von Individuum und Kollektiv, das hier untersucht wird, im Zuge einer so flockigen wie substanziell solide untermauerten Show.

Es sind junge Absolventen der in der Hessischen Theaterakademie vereinten Theaterschulen, der Frankfurter Hochschule für Musik und Darstellende Kunst und dem Institut für Theaterwissenschaft in Gießen, die im Tanzlabor 21 unter der Aufsicht von Mentoren wie der Tanzdramaturgin und einstigen Forsythe-Assistentin Johanna Milz (PET 3) oder des Tanzwissenschaftlers Gerald Siegmund im professionellen Rahmen die Chance zur Weiterentwicklung bekommen.

Das PET-4-Trio um Nina Vallon, Kristina Veit und Norbert Pape beschäftigt sich in seinem Stück „Mittendrinnen“ in einer beinahe klassischen Weise mit dem Individuum und seinem Stand in der Gruppe. Sieben Frauen und Männer in Straßenkleidung treffen im weit aufgerissenen dunklen Großen Saal in erster Begegnung aufeinander. Unter der minimalistischen Geräuschmusik von Michael Gambacurta berühren sich Blicke, Körper und Kosmen. Es formiert sich eine Gemeinschaft.

Zwei des choreografischen Trios haben schon mit William Forsythe zusammengearbeitet, sein Einfluss ist nur zu deutlich zu erkennen. Je mehr sich die Tanzsprache von den Vorgaben des Großmeisters löst, desto stärker geraten die Szenen. Der Ansatz lässt hoffen.

STEFAN MICHALZIK

Quelle: op-online.de

DAS KÖNNTE SIE AUCH INTERESSIEREN

Kommentare