Junge Liebe und dunkle Mächte

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US-Sopranistin Amanda Majeski  singt an der Oper Frankfurt die Vreli in Frederick Delius’ „Romeo und Julia auf dem Dorfe“. Aus Chicago kommt Amanda Majeski nach Frankfurt, das ihr eine zweite Heimat ist.

Frankfurt - Sie stammt aus Chicago, gibt demnächst ihr Debüt an der New Yorker Metropolitan Opera und sieht in Sachen Musik Frankfurt als zweite Heimat. Von Klaus Ackermann 

Amanda Majeski singt die Vreli in „Romeo und Julia auf dem Dorfe“, Lyrisches Drama von Frederick Delius (1862-1934), das jetzt von Eva-Maria Höckmayr an der Oper Frankfurt neuinszeniert wird. Den Romeo, der hier Sali heißt, gibt der finnische Tenor Jussi Myllys, die musikalische Leitung hat der Brite Paul Daniel, Premiere ist am Sonntag.

Der Schriftsteller Gottfried Keller hat Shakespeares unsterbliches Liebespaar in seine Schweizer Heimat versetzt, hier Kinder wohlhabender Bauern, die über den Besitz eines Ackers in tödlichen Streit geraten. Als die Liebenden ihren Heimatort verlassen, geraten sie in den Bann des unheimlichen schwarzen Geigers, der von beiden Vätern um sein Land geprellt wurde - und Rache nimmt.

„Sie ist eine junge romantische Frau, die ihrem Herzen folgt“, sagt Sopranistin Majeski über ihre Julia alias Vreli. Und auch in der Musik von Frederick Delius, ein Brite mit deutschen Wurzeln, erkennt der US-Gesangsstar Momente tiefer Empfindung, ein sinfonisch fließender Strom, der in einen Todes-Sog mündet. Phasenweise erinnere diese Opernmusik an Richard Strauss, einen ihrer Lieblingskomponisten, doch es gebe auch grelle expressionistische Passagen, wenn es um gleichgültige Menschen und dunkle Mächte gehe.

Ein ganz normales Liebespaar

Realistisch, aber auch ebenso phantastisch sei die Szene der Würzburger Regisseurin Höckmayr, die mit Wagners „Tannhäuser“ in Freiburg für Furore gesorgt hat. „Sali und Vreli sind ein ganz normales Liebespaar, das Händchen hält und sich tief in die Augen schaut“, berichtet die US-Sängerin. Dunkel und fremdartig sei dagegen die Welt des schwarzen Geigers, gespenstisch der Chor mit Hasenpfoten.

Eine Hauptrolle in einem Schul-Musical gab die Initialzündung bei der in einem Vorort von Chicago aufgewachsenen Majeski, ihre Stimme intensiv ausbilden zu lassen, die zwar Klavierunterricht hatte, in deren Elternhaus es aber eher sportlich zuging. Ihren „Master of Music in Opera“ erwarb die ehrgeizige junge Frau am renommierten „Curtis Institut of Music“ in Philadelphia. Ihr Debüt an der Oper von Chicago gab die Sopranistin mit ihrer im lyrischen wie im dramatischen Fach glänzenden Stimme als Gräfin in „Figaros Hochzeit“ von Mozart, den sie über alles schätzt. In Frankfurt war sie als Dvoraks „Rusalka“ erfolgreich.

An den Main kehrt sie nach ihrer Erstvorstellung an der Metropolitan Opera New York in der Rolle der Marschallin im „Rosenkavalier“ von Richard Strauss zurück. „Das wird aufregend“, kommentiert Majeski völlig unaufgeregt, die auch über den Opern-Tellerrand hinausschaut. Stepptanz ist seit der Jugend ihre Leidenschaft. Auch für gute Pop-Musik kann sie sich erwärmen, vor allem für Lieblingssängerin Whitney Houston. Sogar ein bisschen Aberglaube ist im Spiel. Auf der Bühne einen Hut zu tragen oder gar zu pfeifen, kommt für Frankfurts „Julia auf dem Dorfe“ nicht in Frage …

Quelle: op-online.de

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