Junger Tanz als amüsante Spöttelei

Frankfurt - Das Nederlands Dans Theater gilt zurecht als eines der führenden Ballettensembles der Welt. Die als NDT II firmierende besetzte junge Truppe wurde 1978 gegründet, um einen Nachwuchs speziell auf die Anforderungen des Kernensembles hin zu trainieren. Von Sebastian Hansen

Beide sind der klassischen Tanzmoderne verpflichtet. Eine humorvolle Polemik gegen die intellektuelle Befrachtung des postmodernen Tanzes ist denn auch der Subtext des 2010 entstandenen Stücks „Cacti“ von Alexander Ekman. Als klassische Schlussposition für einen dreiteiligen Abend mit Applausgarantie bietet dieses Ensemblestück ungetrübte Unterhaltsamkeit. Stimmen aus dem Off flüstern einen amüsanten Spott wider Bedeutungshuberei im Tanz ein. Leitend ist der Gedanke einer tänzerischen Symphonie im Wechselspiel mit der zwischen Beethoven, Haydn, Schubert und Mahler changierenden Tonspur. Die Szenenfolge lässt ein ausentwickeltes Formbewusstsein des hochtalentierten Choreografen erkennen.

4418,75 Stunden. Das ist die Summe einer Reihe von penibel aufgelisteten Posten, die es brauchte, um Jirí Kyliáns nach seiner Dauer mit „27’52“ benanntes Eröffnungsstück von 2002 zu entwickeln. Komponist Dirk Haubrich hat in seiner elektronischen Musik Bruchstücke aus dem Fragment zu Mahlers zehnter Sinfonie verwendet. In den von drei Paaren getanzten Pas de deux variiert Kylián findungsreich die ewigen Grundmotive Liebe und Tod, Zeit und Vergänglichkeit.

„Goods and Dogs“, 2008 von Kylián geschaffen, ist ein Nachtstück um die Grenze zwischen der vermeintlichen Normalität und dem Abtauchen in einer Unterwelt der „Verrücktheit“. Auch hier wieder sind die Pas de deux zunächst zentral, bis sich ein zunächst unbeweglicher Solist herauslöst, auf dessen Schattengestalt sich am Ende projizierte Würmer als Zeichen der Vergänglichkeit tummeln. Wiederum ist es Dirk Haubrich, der Splitter aus Beethovens Streichquartett 18.1 zu einer mitunter verstörenden Partitur verarbeitet hat. Langweilig ist Kylián auch nach Jahrzehnten nicht geworden. Und die Tänzer des NDT II wirkten an diesem Abend so vollkommen wie frisch.

Quelle: op-online.de

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